Das Leben  und dazu eine Katze,  das gibt eine unglaubliche Summe.

Rainer Maria Rilke * 4. Dezember 1875 in Prag, †29. Dezember 1926 in Montreux

Manchmal......

Manchmal möcht ich unser Kater sein,
möcht wie er ganz faul in der Sonne liegen,
schon um Sieben nach dem Abendessen schrein,
obwohl es üblich ist, es erst um Neun zu kriegen.

Den besten Platz des Sofas würde ich besetzen,
und würd gestreichelt, sooft ich selbst es mag.
Meine Krallen würd ich an den Wänden wetzen,
und strolchte durch die Gärten Tag für Tag.

Meinen Menschen würd ich manchmal Mäuse bringen.
Wenn sie recht nett sind, sicher mal ein Huhn;
man könnte mich zu keiner Arbeit zwingen,
ich hätte nichts zu tun als auszuruhn.

Wenns draußen stürmte, würde ich am Fenster sitzen
und keiner könnt mich überreden, rauszugehn.
Manchmal würde ich die letzte Wurst stiebitzen,
doch meine Menschen würden mich verstehn.

Ich brauchte morgens nicht mein warmes Bett verlassen,
wenn es mir dazu an Motiv und Lust gebricht;
ich würde manchem mit der Pfote eins verpassen,
nur - unser Kater bin ich leider nicht.

 

 

© Margret Silvester, 1990
veröffentlicht in "Im Zeitalter der Heuschrecke", edition feldhase, 1990