Zaunwinde, die Schöne.

Verpönt, vertrieben und verdammt
ist sie, die mir so wunderbar
begegnet, die durch sattes
Sommergrün mir leuchtet
und mancher Hummel Labsal ist.
Die ihre Kelche täglich neuen
Morgen öffnet und mit dem
Abendrot sie wieder schließt -

Wie kann es sein, dass sie,
die ohnehin von selber geht,
wenn ihre Zeit gekommen ist,
so abgrundtief von anderen vernichtet,
in kleinlichem Bestreben einer
Eigenordnung ausgerissen
und verdorben wird?
Wer bin ich, dass ich entscheide,
wer leben und wer sterben soll?

Nein, meine Schöne, hier in meinem
wilden Garten sollst du leben.
Dir schau ich zu beim Werden und
Vergehen. Hier darfst du klettern
und dich ranken um rost’ge Gitter
gleichermaßen wie um Stämme
einer längst vergangenen Zeit.
Dich liebe ich und gebe deinen
Blütenkelchen Schutz.
Heut und alle Tage.