Hamburgs Wege, insbesondere die für Zweiräder Hamburg ist so wunderschön, so voller Superlative und Besonderheiten; hier toben täglich Winde und teilen die Menschen dieser...
In der Vorbemerkung zu "Deutsche Dichterinnen vom 16. Jh. bis zur
Gegenwart" führt die Autorin Gisela Brinker-Gabler aus, daß die Auswahl
`subjektiv´ ist, `weil anstelle des Majoritätsbeschlusses,
wie ihn Literaturgeschichte darstellt, die unmittelbar persönliche
Beziehung auf den Gegenstand notwendig war. Eine männlich dominierte
Gesellschaft hat keine geschlechtsneutrale Literaturgeschichte, -kritik
und -wissenschaft. Sie sichert ihre Interessen auch mittels
literarischer Wichtigkeits- und Rangvorstellungen. Ihrem Literaturkanon
und den Kriterien, die den Zugang dazu ermöglichen, ist zunächst zu
mißtrauen´.
Die Autorin führt weiter aus, daß `viele Gedichte ausgesprochen feministisch´ sind, `sofern darunter der Anspruch der Frau auf volles Menschenrecht und Selbstdefinition im weiteren Sinne verstanden wird.´ Zur Hauptsache hat die Autorin sich der Lyrik von Frauen aus diesen
Jahrhunderten angenommen, und hat den Gedichten eine Kurzbiographie
vorangestellt, weil die Dichterinnen in den Geschichtsbüchern kaum
Erwähnung fanden.
(Deutsche Dichterinnen vom 16. Jahrhundert bis zur Gegenwart, Fischer-Verlag - Die Frau in der Gesellschaft).
Der Mann ist nicht bloß der Mann seiner Frau, er ist auch ein Bürger des Staates; die Frau hingegen ist nichts, als die Frau ihres Mannes. Heinrich von Kleist,
Brief an Wilhelmine Zenge (Mai 1800).
Herr von Kleist stand mit dieser Meinung wahrlich nicht allein. Er
befand sich in bester Gesellschaft mit seinen Zeitgenossen, die auch
das Recht auf ihrer Seite hatten. Denn eine Frau mußte in erster Linie
"kluge Männer verstehen" (Zitat Dr. Goethe). Und sein Zeitgenosse Friedrich von Schiller ließ die "züchtige Hausfrau"
in seinem Lied von der Glocke walten. Das Patriarchat - seit etwa 3000
Jahren in Vorherrschaft - ließ es nicht zu, dass Frauen sich laut und
evtuell sogar noch kritisch äußerten.
"O, welche schwere Verdammnis, die angeschafften Flügel nicht bewegen zu können!"
klagte Karoline von Günderode (1780-1806 - auch nur 26 Jahre alt
geworden). Immerhin hatte sie es geschafft, ein Lyrikbändchen zwei
Jahre vor ihrem Tod zu veröffentlichen. Clemens Brentano, der heute in
nahezu jeder Lyriksammlung vertreten ist, bestaunte ihr Talent im Jahre
1804, als er las:
"Wie die Bienen will ich schwärmen, mich an Traubenglut berauschen in der Lilie Weiß mich kühlen Ruhen in der Nacht der Büsche."
Welche frevelhaften Gedanken einer Frau, die züchtig ihrem Manne
dienen soll, so sie verheiratet ist. So ist Karoline von Günderode
gezwungen, ihre Gedichte unter einem Pseudonym "Tian" zu
veröffentlichen. Sie konnte auf Dauer mit dem Zwiespalt, der in ihr
wohnte, nicht leben: Ihr Geist suchte nach Abenteuern, die in der
damaligen Zeit der Männerwelt vorbehalten waren. Die Reisen, die die
männlichen Poeten vornehmen durften, konnte sie nur in ihrer Phantasie
vollziehen. Als sich ihr Geliebter erstens von ihr trennte und zweitens
verhinderte, daß ein weiterer Gedichtband erscheinen konnte, nahm sie
sich mit nur 26 Jahren das Leben.
(Auszug aus "Sie schreiben wie ein Mann, Madame!" - von Norgard Kohlhagen http://www.kohlhagen.de , erschienen im Verlag Luchterhand).
Eine ganz erstaunliche Schriftstellerin ihrer Zeit war George Eliot,
die mit bürgerlichem Namen Mary Anne Evans hieß und von 1819 bis 1880
in England lebte. Auch sie nahm den Männernamen George an, weil nur so
die Chance bestand, Literatur zu veröffentlichen. Sie muß nach dem Tod
der Mutter dem Vater den Haushalt führen, eineAufgabe, die von keinem
ihrer männlichen Zeitgenossen verlangt worden wäre. Auch George Eliots
Werke wären vermutlich nicht mehr vorhanden, hätte sie unter dem Namen
Mary Anne Evans geschrieben. Ihr Pseudonym hat sie im übrigen nicht
selbst aufgedeckt. Ein Freund besorgte dies.
George Eliot hatte jedoch auch unter ihren schriftstellernden
Zeitgenossinnen nicht nur wohlgesonnene. Ihr wurde vorgehalten, daß sie
den wirklichen Problemen nicht ausgesetzt sei. Sie mußte, nachdem sie
in George Lewes, einem Naturwissenschaftler, einen guten Freund,
Manager und Berater gefunden hatte, keine vom Schreiben abhaltende
Hausarbeit mehr machen und hatte sogar jemanden, der für sie das
Geschäftliche regelte.
So verfaßte die in Amerika geborene Verfasserin Elizabeth Ronis einen
Roman mit dem Titel "George Mandevilles Husband", in dem sie schrieb: "Ja, ja, alle Frauen sagen George Eliot und denken, das sei ein
unschlagbares Argument. Als ob das Beispiel einer Frau (die übrigens zu
dreiviertel ein Mann war) mehr erreichen könnte, als zu enthüllen, wie
armselig ihre Position wirklich ist...Sie war unnormal... Lies ihre
Briefe , ihre Tagebücher. Beschäftigte dich mit ihrem Leben, wie es
wirklich war: Sie war eine arme, belastete Kreatur, mit der wir eher
Mitleid haben sollten, statt sie hochzujubeln als Beispiel und
Entschuldigung."
George Eliot war schon zu Lebzeiten eine Legende. Oft verwünschte
sie ihren "Ruhm". Ihre Anerkennung als Schriftstellerin fiel ihr nicht
in den Schoß - sie war hart erarbeitet ("Sie schreiben wie ein Mann,
Madam!" - Norgard Kohlhagen, Luchterhand). Der Roman "Die Mühle am
Floss" ist bei Reclam zu haben. Bei dtv Manesse ihr Roman: Silas Marner
- beides lesenswert für Menschen, die sich auch für das Drumherum des
beginnenden 19. Jahrhunderts interessieren.
Diese kleine Auswahl mag das Interesse an Frauenliteratur der letzten
Jahrhunderte wecken. Es ist nicht möglich, sie alle aufzuzählen, die
gleichrangig neben den großen Dichtern und Denkern gelebt haben. Von
denen wir in der Schule zumindest nichts gehört haben. Wie gerne hätte
ich neben Schillers "Lied von der Glocke" die "Durchwachte Nacht" von Annette von Droste-Hülshoff gelernt. Dabei gehört sie zu den namentlich immerhin bekannteren ihrer Zeit (1797-1848).
Und es gab auch zu der Zeit Frauen, die ihre Feder gespitzt einsetzen
konnten. Deshalb will ich folgendes Gedicht nicht vorenthalten. Es
stammt aus der Feder von Christiane Mariana von Ziegler (1695-1760) und
zeigt auf, daß auch die Frauen der vorigen Jahrhunderte durchaus schon
wußten, mit wem sie es zu tun hatten.
Das männliche Geschlechte, im Namen einiger Frauenzimmer besungen (Die originale Schreibweise wurde übernommen - Deutsche Dichterinnen, Fischer-Verlag/Die Frau in der Gesellschaft)
Du weltgespriesenes Geschlechte, Du in dich selbst verliebte Schar, Prahlst allzu oft mit deinem Rechte, das Adams erster Vorzug war. Doch soll ich deinen Werth besingen, der dir auch wirklich zugehört: so wird mein Lied ganz anders klingen, als das, womit man dich verehrt.
Ihr rühmt das günstige Geschicke, das euch zu ganzen Menschen macht; und wißt in einem Augenblicke, worauf wir nimmermehr gedacht. Allein; wenn wir euch recht betrachten, so seyd ihr schwächer als ein Weib, ihr müßt oft unsre Klugheit pachten, noch weiter als zum Zeitvertreib.
Kommt her, und tretet vor den Spiegel: Und sprechet selbst, wie seht ihr aus? Der Bär, der Löwe, Luchs und Igel sieht bey euch überall heraus. Vergebt, ich muß die Namen nennen, wodurch man eure Sitten zeigt. Ihr mögt euch selber wohl nicht kennen, weil man von euren Fehlern schweigt
Die, welche sich nur selbst erheben, die gerne groß und vornehm sind, nach allen Ehrenämtern streben, da doch den Kopf nichts füllt als Wind: Die keine Wissenschaften kennen, und dringen sich in Würden ein, die kann man wohl mit Namen nennen, daß sie der Thorheit Kinder seyn.
Die Männer müssen doch gestehen, daß sie wie wir, auch Menschen sind. Daß sie auch auf zwei Beinen gehen; und daß sich manche Schwachheit findt. Sie trinken, schlafen, essen, wachen. Nur dieses ist der Unterscheid, sie bleiben Herr in allen Sachen, Und was wir thun, heißt Schuldigkeit.
Der Mann muß seine Frau ernähren, die Kinder, und sein Hausgesind. Er dient der Welt mit weisen Lehren, so, wie sie vorgeschrieben sind. Das Weib darf seinen Witz[1] nicht zeigen: Die Vorsicht[2] hat es ausgedacht, es soll in der Gemeine schweigen, sonst würdet ihr oft ausgelacht.
Ihr klugen Männer schweigt nur stille: Entdecket unsere Fehler nicht. Denn es ist selbst nicht unser Wille, daß euch die Schwachheit wiederspricht. Trag eines nur des andern Mängel, so habt ihr schon genug gethan, denn Menschen sind fürwahr nicht Engel, an denen man nichts tadeln kann.
Wer nun glaubt, für schreibende Frauen sei eine bessere Zeit
angebrochen, irrt. Wenn auch die Universitäten heute eine satte Zahl
von Studentinnen ausweisen, endet ihre Karriere immer noch häufig mit
der Ehe, dem Fördern des Genies und Künstlers in Gestalt des Gatten.
Das eigene Talent verkümmert. Wenn Frau großes Glück hat, wird es
wieder erweckt, wenn die Kinder groß sind, der Mann seine
Midlife-Crisis in Form einer halb so alten Geliebten entdeckt oder
gänzlich verschwindet.
Während sie von ihm erzählt: Mein Mann ist Künstler, erklärt er seinen Freunden mit einem wohlwollenden Lächeln: Meine Frau malt, und gar nicht mal schlecht. Ausnahmen bestätigen die Regel.
Namen von Autorinnen findet frau auch heute hauptsächlich in der
Kinder- und Jugend-Literatur (was beileibe nicht heißen soll, dass
diese zu den unwichtigeren gehört, ganz im Gegenteil), in dem Genre
Fantasie und in Biographien sowie Sachbüchern, die sich mit Familie und
Leben befassen.
Und wenn eine Frau einen Bestseller schreibt, gibt es gewiss eine Schublade , in die sie gepackt wird. Marion Zimmer-Bradley (Avalon-Trilogie) wird niemals den Stellenwert eines Umberto Ecco (Das Focoultsche Pendel) erreichen, obwohl ihre Recherche für die Romane sehr viel genauer und historisch belegter war.
nun scheint mir hier ein schon etwas älterer Artikel von Dir zum kommentieren gerade recht.
Ein kurzer Kommentar sagt bereits alles aus, was mir in den Sinn kommt, wenn ich Deinen Artikel lese: 'Ich kenn's...leider.' Als Tochter einer klassischen Tänzerin, deren Karriere zur Zeit meiner Geburt endete und eines Schauspielers, dessen Karriere zur Zeit meiner Geburt begann, kenne ich die von Dir geschilderte Problematik schon aus meinem Elternhaus.
Nun erwarte ich selbst ein Kind. Siebzehn Jahre Selbständigkeit musste ich darum erstmal an den Nagel hängen. Ich spüre in dieser Zeit meiner Schwangerschaft eine Art Sog gesellschaftlicher Erwartung, der mir anheim legt, doch mein berufliches Leben zu vergessen, was mich zunächst wütend machte. Nun aber sage ich mir: Was soll's? Ich habe noch nie in ein Raster gepasst. Ich bin Frau und Mutter. Niemand kann mir vorschreiben, was und wie ich sonst noch sein soll. Die Aufgabe meines Geschäfts mag eine Auszeit sein - aber ich werde sie nutzen, getreu dem Ausspruch von Herrn Nietzsche: 'Denken Sie nicht, ich weiche...ich nehme nur Anlauf.'
Ein guter Artikel, der es wert wäre, weiter dikutiert zu werden.
Viele Grüße Mascha
Veröffentlicht von Natascha Komander, Seine Homepage here An 02/21/2007 bei 14:19