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Noch sind wir zwar keine gefährdete Art, aber es ist nicht so, daß wir nicht oft genug versucht hätten, eine zu werden. (Douglas Adams)
 
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Metamorphose - oder: Vor dem Vollmond wird gewarnt PDF Drucken E-Mail
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Samstag, 9. September 2006

Metamorphose
oder:
Die voraussehbare Wandlung der Erika F.
nach der Lektüre eines gutgemeinten Sach-
buches zur Frauenfrage
 

Heute stand im Morgenblatte
folgende Notiz zu lesen:
Ein wunderbarer lieber Gatte
wurde Opfer seiner Frau -
so und nicht anders sei's gewesen.

Sie hat ihm mit ihren Zähnen
gekonnt die Kehle durchgebissen.
Frauen - um dies zu erwähnen -
können dies. Mann hätt es
lange vorher wissen müssen.

Er schrie auf. Das Blut, es tropfte
in die Kissen. Wie vermutet -
bis die Nachbarin dann klopfte -
war der Herr in seinem Bette
fast schon völlig ausgeblutet.

Konnte nur mit Sterbestöhnen
in der Stimme flüstern, wie's geschah:
Dass er der geliebten Schönen
bei Vollmond, der am Himmel stand,
in die tiefgrünen Augen sah.

Wollt mit ihr nur - wie jede Nacht -
ein bisschen Liebe machen, männlich derb.
Er drängelte auch nur ganz sacht,
gebrauchte - zugegeben allerdings -
das eine oder andre rüde Verb.

Da verwandelte sich plötzlich
vor seinen eigenen Augen hier
die Liebevolle - wie entsetzlich - 
in einen sowohl weiblichen
als auch blutrünstigen Vampir.

Zuerst, ja, da lachte er sie aus,
versucht, mit einem Scherz davon zu kommen,
doch sie biss zu und floh aus diesem Haus
auf Flederflügeln in den Mond.
Ihr Gatte hat sie niemals ernstgenommen.

©Margret Silvester, 1988

Dieses Gedicht wurde von der Zeitschrift "Courage" im Jahr 1988 prämiiert.

 
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