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Der, den ich liebe,
hat mir gesagt,
dass er mich braucht.
Darum
gebe ich auf mich acht,
sehe auf meinen Weg und
fürchte jeden Regentropfen,
dass er mich erschlagen könnte.

Berthold Brecht

 
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Änderung der Zeiten PDF Drucken E-Mail
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Sonntag, 29. Januar 2012

Über Geschmack lässt sich nicht streiten.

Und vor allem nicht über den unterschiedlichen Geschmack von Müttern und Töchtern.

Gestern auf der Eppendorfer Landstraße : Ich trödele vor mich hin und schaue in die Auslagen, die nun ganz im Zeichen des Winterausverkaufs stehen. Da kann man schon mal das eine oder andere Schnäppchen ergattern.

Vor einem der Modeläden, derer wir in Eppendorf gar nicht genug bekommen können, steht ein Kleiderständer mit etlichen « stark herabgesetzten «  Artikeln. Ins Auge fiel mir eine knielange Weste, die mit bunten Fellstücken besetzt ist. Wer mich kennt, weiß, dass solche Dinge zu meinen Favoriten gehören, vor allem mit Webpelz und kein Tier hat sein Leben extra lassen müssen.

Nun, diese Fellweste hängt gleich als erste auf dem Ständer und so steige ich vom Rad und schaue sie mir näher an. Es ist echter Pelz, leider, lebender Träger unbekannt und deshalb schon nicht für mich geeignet. Gut, Felle von Nutztieren, die ohnehin ihr Leben gelassen haben, um unseren Hunger zu stillen, stehen bei mir nicht auf der roten Liste. Diese Weste aberso scheint mirist von anderer Qualität, was auch der um 50 Euro herabgesetzte Preis aussagt. Sie soll immerhin noch 259 Euro kosten, also auch nix für meine Geldbörse.

Aber schön sieht sie aus, ohne Frage.

Ich schiebe mein Rad weiter, werde aber Zeugin eines Gespräches nachfolgender Passanten und da diese sich ebenfalls für die Fellweste interessieren, sind meine Ohren mal wieder doppelt groß und aufgestellt.

Ich drehe mich auch unauffällig um und sehe zwei Frauen. Die eine nahe bei meinem Alter, die andere bedeutend jünger, so um die 25 Jahre alt.

Die Ältere:

«Ach, schau mal, die ist aber schön. Ob sie mir passt?»

Die Jüngere: «Mann, Mutsch (aha!), die ist doch total schrottig!»

Mama (enttäuscht): «Findest du?»

Die Tochter: "Du willst dir so was doch hoffentlich nicht kaufen. Da kannst du die nächsten Bummel allein machen.»
Die
Mutter seufzt und beide gehen weiter.
Sie
überholen mich und ich höre die Tochter noch so allerlei von sich geben. Von der Mode im einzelnen und von der Mode der Mutter (die durchaus pasabel gekleidet ist) im besonderen. Das Gespräch verliert sich nach einiger Zeit im Getümmel der anderen Passanten.

Einen kleinen Nachsatz muss ich aber einschieben. Die Tochter hatte meiner Ansicht nach absolut spießiges Zeugs an. Womöglich unter ihrem Mantel versteckt sogar einen Faltenrock, wenn mich nicht alles täuscht.

Wie war das noch ? Schwach kommt die Erinenrung hoch aus Zeiten, in denen wir Mütter reihenweise gezwungen waren, völlig zerfetze Jeans und anderes mit verwegenen Outfits am übrigen Körper unserer Töchter und Söhne zu tolerieren und ihnen zur Seite zu gehen und stehen ; komme, was da wolle.

Ich erinnere mich ganz schwach an Einwändungen meinerseits, doch zumindest heiles Zeug anzuziehen und ich erinnere mich an die Anworten, die mir noch in den Ohren klingen.

«Wieso? Das sieht doch gut aus. So laufen wir alle rum. Das ist eben die heutige Mode. Du hast ja keine Ahnung. Was mischt du dich da ein? Das ist doch meine Sache.»

Je nun, die Zeiten ändern sich eben. Und die Mütter haben sich dem treffsicheren Urteil der Töchter zu fügen, was für sie gut ist und was «schrottig».
Das
war schon bei den alten Lateinern so.
De
gustibus non est disputandum. Genau. Liebe Mütter, tragt, was ihr wollt und wie ihr wollt. Es ist eure ur-ur-ureigene Sache.

Im Januar 2012

©Margret Silvester

 
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