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Der, den ich liebe,
hat mir gesagt,
dass er mich braucht.
Darum
gebe ich auf mich acht,
sehe auf meinen Weg und
fürchte jeden Regentropfen,
dass er mich erschlagen könnte.

Berthold Brecht

 
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Montag, 16. Januar 2012

Rechnungen ohne den Wirt - oder wie war das noch?


Ich gebe zu, dass ich nicht all zu gern den Alltagseinkauf erledige. Immer das Auffüllen von Vorräten und das Feststellen, dass diese schon wieder aufgebraucht sind. Ähnlich verhält es sich mit dem Kochen, dem Abwasch etc. Wozu nehmen wir diese Arbeiten gleich Sisyphus auf uns? Der Wecker klingelt und wir rollen den Fels den Berg hinauf, um ihn am Abend des Tages wieder am Fuße des Hanges zu entdecken?

Was ich sagen will, ist, dass diese Arbeiten schon kläglich und schwierig an sich sind. Und sie werden uns allen noch schwerer gemacht. Glauben Sie mir nicht? Warten Sie ab.


Auf meinem Einaufzettel steht, dass das Toilettpapier den Weg durchs Klo gegangen ist und nun neues angeschafft werden muss. In dem Drogeriemarkt um die Ecke stehe ich vor der Fülle des Angebots. Nun heißt es, besonnen sein und aus dem Berg der Fülle ein wirkliches Angebot heraus zu fischen.

Die letzte Packung habe ich nicht in diesem Laden erstanden, sondern ganz woanders. Und deshalb ist es auch nicht verwunderlich, dass dieser Laden die selbe Marke nicht führt. Nun, es gibt Ausweich- und Auswahl-Möglichkeiten. Da liegen sie in all ihrer Pracht: Drei- und vierlagig, supersoft, recycelt, zu 2- 4- 6- und 8er-Packungen. Unterschiedliche Namen, unterschiedliche Anbieter, unterschiedliche Blattzahl. Es ist nicht einfach, bei dieser Qual die richtige Wahl zu treffen. Und dann die Preise! Wo hab ich nur den Taschenrechner hin? Ah, wieder mal vergessen. Dabei hatte ich mir aufgrund von tiefschürfenden Erfahrungen geschworen, immer einen dabei zu haben. Ich gehöre leider nicht zu diesen Rechengenies, die immer und sofort umrechnen können. Von einem Preis ausgehend, der eine 6-er Packung Supersoft auszeichnet, zu einer Achter, nicht supersoft, die aber pro Rolle nur 300 Blatt anstatt der 400er Blattzahl hat. Ich müsste auf das einzelne Blatt herunter brechen – den Preis. Ich stehe also da und denke bei mir, was solls? Acht Rollen sind immer günstiger als sechs und ich kann ja auch erst einmal zu den Waschmitteln gehen, die sind zu Hause auch „aus“. Also die Waschmittel für die Waschmaschine.

Da stehen sie und geben Versprechungen von sich. Umweltfreundlich! Weißer als weiß! Für ganz schwarze Wäsche! Heute 10% mehr in der Packung! Geburtstagsangebot – ein Drittel fast UMSONST! Nein, es heißt nicht: FAST umsonst, sondern fast UMSONST. Der Fokus ist genau auf das letzte Wort in grellleuchtendem Rot gerichtet.

Kommen wir nun zu den Mengen in den Packungen. Wildes Chaos herrscht hier. Von wegen kg-Preis-Angabe. Ah, doch, da steht der Kilo-Preis. Miniminiminiklein unter dem Verkaufspreis mit Mengenangabe. Hier braucht es außer dem Taschenrechner noch eine Lupe.

Ich entscheide mich also schließlich für ein Großpaket und stelle es in den Wagen, den ich dann zur nächsten Herausforderung schiebe. Kaum habe ich das Regal und die nächste Kurve hinter mich gebracht, fällt mir ein Riesentrumm von Waschmitteln ins Auge (also nicht tatsächlich, eher bildlich gemeint, versteht sich!)

Dieses Trumm besteht aus Waschmittelpaketen, die ganz besonders sind, wie auf dem Plakat steht. Nicht im Dauer-Sortiment! Nur heute und nur heute besonders preiswert!! Donnerwetter! Preiswert! Das Wort hab ich schon lange nicht mehr gehört, gelesen. Den Preis wert! Da muss es sich doch lohnen, noch einmal genauer hin zu schauen und den Vergleich mit dem Paket im Einkaufswagen nicht zu scheuen. Richtig! Dieses preiswerte Angebot ist tatsächlich im Kilo preiswerter. Ich hebe eine Packung an und wundere mich. Obwohl außen gleich viel drauf steht wie in dem schon eingepackten Paket, fühlt es sich viel leichter an. Das dürfen sie doch nicht, oder? Weniger rein tun? Ich suche den Filialleiter auf und erfahre aus berufenem Mund, dass diese Pakete eben deshalb so preiswert seien. Weshalb? Na, sie sind fehlgefüllt. Also, das glaub ich jetzt nicht. Und um wieviel fehlgefüllt? Er bedauert. Das könne er nicht sagen. Doch preisgünstiger seien sie allemal.

Das ist mir zu hoch. Ich schnappe mir meinen Wagen mit dem treuen Paket von vorhin und hole die mir am besten zusagende Toilettpapierpackung aus dem Regal.

Nach ein paar mehr Rechnungskomplikationen für Bonbons und Tee verlasse ich den Laden und marschiere in den nächsten Supermarkt, der die restlichen Dinge meines Einkaufszettels bereit halten soll.

Ich dachte, da ist mehr drin, sagt ein ganz kluges Kind in der Werbung. Und das denke ich trotz meiner vielen Jahre, die ich älter als dieses Kind bin, auch leider immer wieder.

Ich kaufe – weil es mal schnell gehen soll – eine Dose Eintopf. Familientopf steht draußen drauf. Und abgebildet sind vier Teller mit Löffeln darin. Alle wohl gefüllt. Um den Beweis dafür anzutreten, stehen die schicksalsschweren Worte „4 Teller“ daneben.

Zu Hause öffne ich die Dose und schütte den Inhalt in einen Topf, in dem ich regelmäßig Suppe für uns koche. Für zwei Personen, je zwei Teller voll. Dann ist der Topf gut bis ¾ gefüllt. Der Doseninhalt füllt den Topf zu einem Drittel. Ich schaue noch einmal auf die Angaben, die mir vom Dosenetikett verbrecherisch versprecherisch entgegen lügen. Nein, es steht nirgends darauf, dass die Suppe – weil besonders kompakt – womöglich mit Wasser angereichert werden muss. Ich erhitze sie und gebe die Suppe auf die Teller. Die Menge füllt unsere tiefen Suppenteller noch nicht einmal zur Hälfte bis zum Vertiefungsrand. Mir wird klar, dass auf der Dose hätte „Tellerchen“ stehen müssen und dass man beim Abfüllen an Schneewittchen und die sieben Zwerge dachte.


Mein Schwur – nachträglich zum neuen Jahr: Einkaufen nur noch mit Lupe und Taschenrechner und jeweils einem errechneten Preisaufschlag für die verlorene Zeit.

 
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