Über Geschmack lässt sich nicht streiten. Und vor allem nicht über den unterschiedlichen Geschmack von Müttern und Töchtern. Gestern auf der Eppendorfer Landstraße : Ich...
Als die Mücke zum ersten Male den Löwen brüllen hörte, da sprach sie zur Henne:
"Der summt aber komisch." "Summen ist gut", fand die Henne. "Sondern?", fragte die Mücke. "Er gackert", antwortete die Henne. "Aber das tut er allerdings komisch." aus: A.Paula/T.Fritz (Hg.): Brücken zum Fremden
Auf drei!
Sonntag, 13. Juni 2010
3
велосипед
oder:
Kein Problem, bis drei zu zählen?
Vor
meiner Reise nach St. Petersburg hatte ich ein paar Ideen, die sich
nicht umsetzen ließen. Unter anderem hätte ich gern mein Rad
mitgenommen. Wer mich kennt, weiß, wie sehr ich daran hänge. Wenn
andere Leute in ihren Pkw steigen und dies ihnen ein Gefühl von
Heimat vermittelt, solange sie darin fahren, empfinde ich ähnliches,
wenn ich mein Rad bei mir habe. Ich wollte in der fremden Stadt
möglichst viel sehen, aber nicht ständig Geld für öffentliche
Verkehrsmittel ausgeben, zumal die Metro dort ausschließlich
unterirdisch fährt und so den Blick auf die Gegend geradezu hemmt.
Also sprach ich noch einmal bei meinem Reisebüro vor und fragte nach
der Möglichkeit, entweder das Rad mitzunehmen - ich fuhr ja per
Schiff und musste nicht auf Gepäck/Gewicht achten - oder in
Petersburg ein Rad zu leihen.
Welch
ein Ansinnen!
Meine
Ansprechpartnerin, eine ganz feine Dame um die 50 mit einer schicken
Lockenfrisur und einem passenden hellblauen Kostüm schüttelte
bedauernd den Kopf. Weder das eine noch das andere sei möglich. Es
sei in Petersburg schlichtweg nicht üblich, mit dem Rad zu fahren.
Es gebe dort auch keine Radwege und der Verkehr sei mörderisch bei 5
Mio. Einwohnern. Das konnte ich nachvollziehen und gab meinen schönen
Plan auf, ein wenig verwundert über die ablehnende Haltung der
Petersburger gegenüber diesem umweltschonenden und praktischen
Gefährt.
In
Petersburg angekommen und ein wenig akklimatisiert, entdeckte ich die
Richtigkeit der Behauptung, dass es keine Radwege gibt. Es gibt
wirklich keine. Keinen einzigen irgendwo. Es gab auch am Verlauf
mancher Straßen keinen Gehweg, aber das nur nebenbei.
Ich
hatte das Glück, mit einem Russen namens Valeri eine private
Rundfahrt machen zu dürfen - Cpassiba, Valeri. Er zeigte mir ein paar der Petersburger
Sehenswürdigkeiten. Auf unserer Rundfahrt erzählte ich ihm von
meinem ursprünglichen Plan mit dem Rad. Er schüttelte den Kopf.
„Nein, nein", antwortete er mir, „hier fahren Leute kaum mit
dem Rad. Sie werden in Petersburg vielleicht zwei, drei Räder
finden."
Zum
Beweis sah ich gleich darauf meinen ersten Radfahrer in Petersburg.
Er nutzte den breiten Gehweg auf der Nalichnaya ulitsa und die
Fußgänger schauten ihm nach, als sei seine Unternehmung ein
bisschen kriminell.
„Das
war Nummer eins der drei Petersburger Radfahrer", sagte ich zu
meinem Begleiter. Er lachte.
Vor
der Eremitage angekommen, begegneten wir dem zweiten Rad fahrenden
Petersburger. Nein, es war nicht derselbe wie zuvor. Er war kleiner
und er fuhr ein Damenfahrrad.
Nun
hatte mich das Jagdfieber gepackt, denn schließlich waren mir schon
zwei Räder begegnet. Aber das Glück blieb aus. Während der
gesamten Stadtrundfahrt zeigte sich kein weiterer auf einem Zweirad.
Noch nicht einmal ein Kind auf einem Dreirad, das ich zur Not hätte
mitzählen können.
Aber
dann, kurz vor der Heimkehr in mein Urlaubsdomizil, lachte mir das
Glück. Ich sah am Ufer der Smolenka eine Frau auf einem
richtig tollen Mountainbike. Das machte zusammen drei und alle
hatte ich gesehen. Toll!
Ein
paar Tage später sah ich noch ein viertes Rad, auf dem eine Frau mit
einem Kleinkind in der Nähe der Metrostation Primorskaya auf
dem Gehweg fuhr. Ihr starrten die Menschen nach, als sei sie
frisch von einem fremden Planeten importiert oder gehörte zu dem
ständig in der Stadt anwesenden Zirkus.
Ich
bin mir aber nicht sicher, ob sie sich nicht das Fahrrad von weiter
oben ausgeliehen hat. Dann zählt es nicht als zusätzliches!
So
gehe ich davon aus, dass die Voraussage der drei Rad fahrenden
Petersburger sich zu 100% bewahrheitet hat.
Insgesamt
war ich froh, mein Rad in Hamburg gelassen zu haben. Wer weiß,
welche Probleme außer der schon an sich schwierigen Registrierung
meiner Person es gegeben hätte.
Liebe Natascha, vielen Dank für deinen Kommentar. Was am meisten befremdet, ist das komplette Fehlen der Radwege, wobei Petersburg Prachtstraßen aufweist, die nur ein Bruchteil hergeben müssten, um solche zu installieren. Allein - es ist nich vorgesehen. Es grüßt dich herzlich Margret
Veröffentlicht von Margret Silvester, An 06/28/2010 bei 23:27
Kommentar: Liebe Margret, ich finde diesen Artikel ausgesprochen interessant. Ist es mir bei meinem Aufenthalt in einer anderen großen Stadt, in Atlanta / USA, doch ganz ähnlich ergangen. Die erstaunten bis entsetzten Blicke, welche ich erntete, bezogen sich allerdings nicht auf die Tatsache, dass ich Fahrrad fuhr, sondern darauf, dass ich zu Fuß ging. Abgesehen davon, dass es in Atlanta, soweit ich während meiner einjährigen Beobachtung sehen konnte, ebenfalls keine Fahrradwege gibt und der Verkehr mörderisch ist, wirkt auch ein menschliches Wesen, das gern und freiwillig zu Fuß geht, auf die anderen Verkehrsteilnehmer wie eine Sehenswürdigkeit. In meinem Fall hielten zum Beispiel immer wieder Nachbarn, so sie mich denn laufenderweise erspähten, mit ihrem Auto neben mir, um mich mitleidig zu fragen, ob ich mitgenommen werden wollte. Sie konnten einfach nicht glauben, dass ein Mensch eventuell aus freiem Willen zu Fuß geht. Ein interessanter Bericht. Ich bin schon gespannt auf mehr Berichte von Deiner Reise nach Petersburg. Liebe Grüße Mascha
Veröffentlicht von Natascha Komander, An 06/28/2010 bei 11:45