Über Geschmack lässt sich nicht streiten. Und vor allem nicht über den unterschiedlichen Geschmack von Müttern und Töchtern. Gestern auf der Eppendorfer Landstraße : Ich...
Das Beste was du für deine Zukunft tun kannst,
besteht darin, heute glücklich zu sein. Joan Clayton
Etwas verspätet
Sonntag, 21. März 2010
Verspätet zum 8. März - ein Tag für Frauen
von Frauen.
"Und was
menschlicher Vernunft zu erfahren und zu ergründen unmöglich ist,
das kann durch diese Kunst der magica erfahren und ergründet werden
[....] denn magica ist eine behende reine Kunst [....] Aber da ist
Aufmerkens hoch von nöten, dass derselbe (Glaube) nicht zu einem
Aberglauben oder Mißbrauch werde, dem Menschen zum Verderben und
Schaden. Wie denn alle Hexen tun, die sich in diese Kunst einflickt,
sich darinnen geübt und sich mit ihr umgeben wie eine Sau im Kot. So
ist sie durch sie zur Zauberei geworden, und es ist nicht unbillig
noch unrecht, dass man sie und alle Zauberer mit dem Feuer
hinrichtet."
Gesagt
hat dies im Jahre 1531 in einer Schrift namens "Die
Gefährlichkeit der Hexen" der so hoch geachtete Theophrastus
Paracelsus. Der Paracelsus, nach dem Kliniken und Straßen, Schulen
und Universitäten benannt wurden.
Anders als der "Muttertag"
wurde der heute als Internationaler Frauentag begangene Tag von
Frauen erstritten und verweist u.a. auch auf jenen schrecklichen Tag
im Jahre 1908, der 129 Frauen das Leben kostete
("Am
8. März 1908 wurden streikende Arbeiterinnen von Aufsehern und
Unternehmern in der Fabrik eingeschlossen um zu verhindern, daß sie
Kontakt zur Gewerkschaft aufnahmen und ihre Kämpfe auf andere
Fabriken übergriffen. Ein Brand brachte aus, nur wenigen Frauen
gelang die Flucht aus den Absperrungen, 129 Frauen kamen in den
Flammen um")
Frauen kamen in Flammen um -
geschehen im Jahre 1908 - kommt uns das nicht bekannt vor? Nicht nur
an diesem Tag kamen Frauen in Flammen um. Viele Jahrzehnte,
Jahrhunderte davor kamen Frauen, Kinder und auch Männer in Flammen
um. Angezündet wurden ihre Scheiterhaufen, auf denen sie meist nach
vielen qualvollen Wochen, ja Monaten, ihr Leben verloren, von
Menschen, die sich Christen nannten. Von Männern in Gewändern der
Kirchenfürsten. Viel Furchtbares hatten sie erlitten, bevor sie
ihren Vergewaltigern, ihren Folterknechten, ihren Kerkermeistern
Zeugnis von Taten ablegten, die sie nie begangen hatten.Scheußlichen
Prüfungen waren sie unterzogen worden, sogenannten "Gottesurteilen";
häufig sind es Frauen gewesen, die im besten Glauben ihrer Kirche
gestanden haben. Mit zerschundenen Leibern und in der Seele
zerbrochen, weil der Herr, den sie Gott nannten, ihnen nicht
beigestanden hat. Obwohl sie bis zum Schluss zu ihm gebetet hatten.
Nein, im Gegenteil, ihnen wurde es sogar untersagt, "seinen"
Namen im Munde zu führen.
Sie wurden Hexen genannt, Kebsweiber,
Huren - und sie waren doch wunderbare Frauen, die entweder durch ihr
Wissen oder durch ihre Nächstenliebe gehandelt hatten.
Weshalb
wurden sie verfolgt?
Zu allererst maßten sie sich an, Wissen zu
haben, welches dem Grunde nach den Männern zustand. Zum anderen
sorgten sie häufig durch heilkundiges Wissen für ihresgleichen,
wenn diese in Not waren - in welcher auch immer. Sie verfügten
häufig über das Geburtenkontrollwissen und - viele von ihnen waren
reich, weshalb begehrliche Blicke von anderen auf sie fielen. Eine
Verurteilte hatte kein Recht, ihren Reichtum zu vererben. Er fiel
Kirche und Staat anheim. Aus dem Vermögen wurden natürlich auch die
Kosten des Prozesses bestritten, Unterkunft und "Verpflegung"
während der Haftzeit und die des Holzes für den Scheiterhaufen.
Um einer Vereinnahmung des Besitzes von Staat und Kirche
zuvorzukommen, "durften" die Verurteilten manchmal "fromme
Spenden" leisten.
In Wemding galt
beispielsweise in den Jahren der ersten Prozesswelle von 1609/10 der
Grundsatz, dass das gesamte Vermögen der verurteilten Person und das
ihrer Familie nach dem Tod der vermeintlichen Hexe vollständig an
den Staat übergehe. Dies führte dazu, dass mehrere Verurteilte vor
ihrem sicheren Tod erhebliche Summen für wohltätige Zwecke
spendeten. Vier der Hexenleute haben sogar jeweils 350 fl. gestiftet.
Mit Genehmigung des Landesherren verwendeten man die Geldspenden zur
Renovierung der schadhaften Pfarrkirche zu Wemding. (Auszug
aus ""Die Hex muss brennen"; Autorin Agnes Hallinger,
Battenberg-Verlag, 1999).
Heute ist der 8. März ein Gedenktag
an Kämpfe, die Frauen im ausgehenden 19. Jahrhundert und zu Beginn
des 20. Jahrhunderts bestritten haben. Clara Zetkin war eine derer,
die für diesen Tag stritten und weder ihr Name noch ihre Rolle in
der Frauenbewegung sollen geschmälert werden, aber an dem heutigen
8. März - so meine ich - ist es Zeit, all derer zu gedenken, die
schon viel früher einen Kampf, meist einen einsamen Kampf bestreiten
mussten und den viele von ihnen mit dem Leben bezahlten; auf dem
Scheiterhaufen, durch das Beil und durch den Galgen. Mitunter bei der
"Wasserprobe". Manchmal auch überstanden sie einfach die
"Prozeduren" nicht. Zum Ärger ihrer Peiniger.
An einem
8. März im Jahre 1665 begann der Hexenprozess gegen die als Hexe
angeklagte Margarethe Rumelin aus Schweinfurt, die über viele Wochen
ihren Peinigern ausgesetzt war. Der Ausgang dieses Prozesses ist
nicht bekannt, es ist auch nicht wichtig, welches Ende sie erlitten
hat. Wir können aber sicher sein, dass der Tod ihr wie eine Erlösung
erschien.
Begonnen hat die Hexenverfolgung bereits im 13.
Jahrhundert. Den Abschluss fanden die Hinrichtungen in Europa
vermutlich mit der als Hexe angeklagten Anna Göldi, 1782, in
Glarus/Schweiz; und im Jahre 1775 wurde in Kempten/Allgäu die
letzte sog. deutsche Hexe hingerichtet.
Ist es vorbei?
Am
31. August 1984 las man in der taz: "Unsere
kleine Tochter Berta hatte so viel Asthma. Wir fanden bald heraus,
dass unser Mädchen verhext worden war. Wir legten gekreuzte Scheren
unter die Fußmatte, räucherten mit Teufelsdreck und hielten sie
nackt über Rauch, bis sie fast erstickte. Nichts half. Da haben wir
das Kind geprügelt, bis es blutete. Bloß damit die verdammte Hexe
sie freigibt."
Drei Tage später starb die
siebenjährige Berta. "Wir mussten
unsere Tochter doch aus den Fängen der Hexe befreien."
Es
ist nicht vorbei, solange die zwei Wahrheiten sich nicht ins
Gegenteil verkehren:
Die Erde ist eine
Scheibe und die Dummheit der Welt stirbt.