Über Geschmack lässt sich nicht streiten. Und vor allem nicht über den unterschiedlichen Geschmack von Müttern und Töchtern. Gestern auf der Eppendorfer Landstraße : Ich...
Faunsflötenlied Ich glaube an den großen Pan,
Den heiter heilgen Werdegeist;
Sein Herzschlag ist der
Weltentakt,
In dem die Sonnenfülle kreist. Es wird und stirbt und stirbt
und wird,
Kein Ende und kein Anbeginn.
Sing, Flöte, dein Gebet der
Lust!
Das ist des Lebens heilger Sinn.
Otto
Julius Bierbaum *1865 +1910
Vivat Lupus
Mittwoch, 6. Januar 2010
Einmal im Leben.....
„Der Mensch hat eine besondere Beziehung zum Wolf. Viele Völker sahen in ihm einen ebenbürtigen Konkurrenten bei der Jagd, tapfere Krieger identifizierten sich mit dem Wolf, er ist das erste Tier, das vom Menschen gezähmt wurde, und eine Wölfin nährte der Legende nach die Gründer Roms, die ausgesetzten Zwillinge Romulus und Remus, und half so bei dem Beginn eines neuen Zeitalters."
(Zitat aus der Hamburger Morgenpost vom 4. Januar 2009)
Einmal im Leben einen Wolf schießen - das ist vermutlich der Traum eines jeden, der sich Heger und Pfleger nennt und darüber hinaus gibt es etliche, die diese Art von fragwürdiger Berufsbezeichnung noch nicht einmal unter Beweis gestellt haben und sich einen toten Wolf zu eigen machen wollen. Als Trophäe tragen sie die Reißzähne, die schrecklichen, an einer Kette.
Wölfe - Tiere der Nacht. Familienbetonte Strukturen, sozial im Rudel. Des Wolfes natürlicher Feind ist der Mensch. Es gibt keinen anderen. Natürlich.
Die Aussage, dass der Wolf „keine natürlichen Feinde habe", ist deshalb schlichtweg falsch.
Wenn Schafzüchter und ähnliche kulturbeflissene „Tierbesitzer" jammern, dass die furchtbaren Wölfe ihnen zu nahe kommen, liegen sie ebenso falsch. Denn anders wird ein Schuh daraus. Der Mensch ist der, der allem anderen zu nahe kommt, schlimmer noch, allem anderen, was da kreucht und fleucht, den Lebensraum stiehlt.
Es kann auch nicht verwundern, dass der Wolf - und auch der Bär, der Luchs um nur einige beispielhaft zu nennen - sich an den vom Menschen quasi für sie bereitgestellten Leckereien (Weiden mit dicken fetten Kühen und Schafen) gütlich tun. Wir bedienen uns schließlich auch im nächstgelegenen Supermarkt und vermeiden es, großen Aufwand um die Erlangung von Lebensmitteln zu betreiben. Der Wolf reißt gemeiner Weise unkontrolliert das Schaf vom Präsentierteller. Der Mensch macht sich die übrige Erde sehr kontrolliert untertan und geht in Scharen auf die Jagd, seine Brüder in mannigfacher Weise zu vernichten.
Die Vernichtung der Arten wird durch „Projekte" verbrämt, so dass das Gefühl entsteht, es geschieht etwas zu ihrer Erhaltung. Leider ist das alles Augenwischerei. Nur, wenn eine Kontrolle möglich ist - hinter Tierparkzäunen und eingegrenzten überschaubaren Reservaten - haben Lebewesen nach Ansicht eingeschränkter Gehirne eine Lebensberechtigung. Und hierzu zählen auch Völker, deren erstrebtes Lebensziel nicht die Anhäufung von Kapital ist, sondern das Leben an sich (wobei es heutzutage immer schwieriger wird, das eine ohne das andere zu leben). Wehe denen, denen es dennoch gelingt. Aber welchen wirtschaftlichen Wert erbringen sie? Ihr Dasein ist den Zinseintreibern und Beutelschneidern sehr suspekt. Und Tiere überhaupt - wenn sie nicht von Nutzen sind, was sollen sie dann hier?
Die Wölfe, um die es in Schweden geht, sollen nach Aussage des zuständigen Umweltministeriums aufgrund der Inzuchtproblematik reduziert werden. Die genetischen Defekte sind - wenn es den Tatsachen entspricht - entstanden, weil zu wenige Wölfe an der Vermehrung beteiligt waren. Anstatt aber nun neuen Wölfen den Zugang in die Gebiete zu ermöglichen, wird durch weitere Reduzierung gesorgt, dass eine Erneuerung der Gene nicht stattfindet. Es ist doch immer das Gleiche:
Erst wird ausgerottet, dann wird aufgepäppelt und nachgezüchtet, aber ohne das Ganze im Auge zu behalten und noch später wird abgeschossen, weil krank und degeneriert. Ein kranker Wolf kann aber auch nicht mehr richtig jagen. Er muss auf eingepferchte Schafe und andere Haustiere zurückgreifen. Nun, er macht nichts anderes als der Bruder Mensch, der schließlich auch inzwischen ziemlich degeneriert durch die Gegend fährt - außer bei Olympia, wo wieder gelaufen wird!
Der degenerierte Mensch soll seine Akzeptanz gegenüber dem Wolf erhöhen. Auch das ist ein hehres Ziel des Umweltministers. Akzeptanz durch Verringerung einer Art? Sehr fraglich.
So gehen Skandinaviens (im Moment noch Schwedens) Wölfe einer ungewissen Zukunft entgegen. Wenn 12000 Jäger auf 27 Tiere Jagd machen, bleibt kein Auge trocken. Die Strecke der erlegten Beute wird sich durch Missverständnisse und Fehlzählungen erhöhen, wie es vor einigen Jahren schon mit den Bären geschehen ist. Da hat man auch leider übersehen, dass der Bär ein Wanderer ist und deshalb in grenzüberschreitenden Gebieten doppelt gezählt wurde.
Es ist nun von Vorteil, dass die Schweden im allgemeinen das Mobiltelefon (hier Handy genannt) schon länger und ausgiebiger nutzen als hierzulande. Es könnte deshalb sein, dass 12000 Jäger über ihre Mobiltelefone sekündlich einander Bescheid geben werden, wer wie viele Wölfe vor der Flinte hatte und wann die Gesamtzahl erreicht wurde - es sei denn, die weitverbreiteten Funklöcher stören diese mögliche Verständigung.
Eine winzige Chance besteht ja, dass von den 12000 Jägern nicht alle im Zielen so fitt sind wie die Biathlon-Sportler. So kann es vielleicht zu unvermeidbaren Unfällen in der Weite Schwedens kommen. In der Einsamkeit. Mit vielen Funklöchern. In einer Gegend, in der Wölfe ihr Zuhause haben und das nächste Krankenhaus mindestens 10 schwedische Meilen entfernt liegt.
Das neue Zeitalter konnte die Wölfin, die auf den sieben Hügeln Roms zwei Menschenkinder aufzog, sicher nicht so vorher sehen. Sie hätte anderenfalls ihre Wolfsmilch vermutlich anderweitig vergeben.