Über Geschmack lässt sich nicht streiten. Und vor allem nicht über den unterschiedlichen Geschmack von Müttern und Töchtern. Gestern auf der Eppendorfer Landstraße : Ich...
Enttäuschungen sind leichter zu ertragen als Täuschungen (silvi, 7/2006)
Es wird Zeit
Dienstag, 1. September 2009
Zeit
zum Renovieren
Ich
schau mich um und sehe: Es bröckelt! Allüberall. In den Tapeten
sind große Löcher und Mauersteine haben ihren Weg aus den Wänden
gefunden, liegen zerschlagen am Fuße der Basis. Der Zahn der Zeit
nagt am Leben an sich, Faltenbildung und blinde Flecken haben schon
längst ihre Schatten vorausgeworfen. Da ist es hoch an Zeit, etwas
zu tun. Wie gehen wir also vor?
Gründlich
wird der Schaden in Augenschein genommen, die Baustelle wird
vermessen und alter Müll zur Seite gebracht. Eine Skizze wird
angfertigt. Sozusagen ein Vorentwurf. Dieser wird von links und
rechts beleuchtet, in starkes Licht gestellt, damit unscharfe
Konturen sichtbar werden. Kein Mangel soll verborgen bleiben. Am
besten, der Plan wird an eine freie Wand gehängt und beäugt. Nein,
nicht liebevoll, sondern kritisch. Mit einem dicken Stift markieren
wir, was uns auffällt.
Und es
werden Gedanken sich einstellen, dieser oder ähnlicher Art: was ist
von mir selbst, was eingeredet? Ist diese Linie nicht ganz gerade?
Wer weicht vom Wege ab? Ach, schau mal, da sind schon Schubladen
vorgesehen, in denen Dinge verschwinden und nicht wieder auftauchen.
Dinge, von denen man bisher geglaubt hat, sie seien wichtig. Und der
große Teppich ist vorgeplant, unter den alles gekehrt werden kann,
was nicht opportun ist. Außer dem echten Dreck, versteht sich. Für
den lassen wir anrollen und abfahren - kostenpflichtig. Von dir und
mir bezahlt. Ja, wenn wir ihn selbst verursacht hätten..... aber
nein, es waren immer die anderen, die für den großen Müll gesorgt
haben. Später werden Asse aus dem Ärmel gezogen, betrügerisch
versteckt und versumpft, die nicht den Wert wert sind, mit denen sie
gekennzeichnet wurden.
Schwamm
drüber, wir sind ja heute zusammen gekommen, um die Situation zu
verbessern. Gehen wir doch als erstes mal diese dicke Wand an, die
mit Holz zugepflastert ist, dass es keinem noch so dicken Bohrer
gelingt, sich Zugang zur anderen Seite zu schaffen.
Schweißtreibende
Aktionen erfordern gelegentliche Pausen. Da kleckst es von der Kelle
und ist doch nur ein Tröpfchen Honig auf altem Blechteller. Und der
Boden davon ist so tief, dass der Tellerrand nicht überschaut werden
kann.
Immerhin
ist der Honig, den uns wohlmeinende Leute eingetropft haben, süß
und will geschleckt sein. Wenn sie es schaffen, dass wir uns damit
lange aufhalten, geht die Zeit perdu und die Renovierung, die
notwendige, kommt nie zustande.
Also
Schluss mit lustig und angepackt. Wo waren wir stehengeblieben? Ach
ja, bei der Farbe. Wie soll denn die Wand, die wir hinter unseren
Stirnen endlich eingerissen haben, beschaffen sein? Ein Graugrün
oder Blau in abgetönten Schattierungen? Oder - was ja im Trend der
Zeit liegt - Marke Wespe? Gestreift? Gepunktet? Mit konservativen
Mustern in Längsformation? Oder bevorzugen wir dieses Mal endlich,
endlich etwas Überraschendes, was noch nie (oder fast noch nie)
dagewesenes?
Überwiegend
rot, gleich mit der Komplementärfarbe dazu? Trauen wir uns das oder
nehmen wir wieder die alte Tünche, die so vermanscht ist, dass kein
Mensch mehr den Grundton zu erkennen vermag?
Dann
sollten wir lieber die Finger vom Ganzen lassen und - anstelle Farben
mit teurer Rechnung zu bezahlen - die Pläne mit dem weiter oben
angeführten dicken Stift durchkreuzen.
Hej, liebe Hella, wo immer auch - frisch und klar bringt uns weiter, als grau und abgestanden. Vielen Dank für deinen Beitrag zum Streiflicht. Liebe Grüße Margret
Veröffentlicht von Margret Silvester, An 09/03/2009 bei 17:45
Hey Liebe Margret,
wie wahr... also ich laß das dann jetzt Mal, erstmal... alles beim Alten. Und kümmere mich lieber darum, wieder frische Farben und klare Räume in meinem Seelenhaus zu schaffen.