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Über Geschmack lässt sich nicht streiten. Und vor allem nicht über den unterschiedlichen Geschmack von Müttern und Töchtern. Gestern auf der Eppendorfer Landstraße : Ich...

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Noch sind wir zwar keine gefährdete Art, aber es ist nicht so, daß wir nicht oft genug versucht hätten, eine zu werden. (Douglas Adams)
 
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Montag, 27. Juli 2009

Da haben wir den Salat......

 

Sommer, Sonne, unbelastet mit ganz wenig Kalorien - mal ehrlich - gesund essen ist doch gesund, oder? Gesünder essen muss demnach noch gesünder sein und was ist am gesündesten? Viel Grünzeug und frisches Obst und Gemüse zu sich zu nehmen - wohl ausgewogen und frisch gewaschen.

In einer Zeit, in der Logistik groß geschrieben wird, können wir uns über ein mangelndes Angebot auf dem Frische-Markt nicht beklagen. Auch wenn wir nicht in greifbarer Nähe von Acker und Viehzucht zu Hause sind, sondern uns eher in einer Metropole niedergelassen haben. Allüberall stehen sie herum, die leckeren Sachen: Auf Märkten und vor Gemüseläden, in Supermärkten und so genannten „Schlemmermärkten". Die Ladenketten sind auch alle möglichst auf einem ganz modernen Stand. Sie haben neuerdings über ihren grünen Theken für frische Feuchtigkeit sorgende Berieselungsanlagen, die dafür zuständig sind, dass das darunter faulenzende Gemüse nicht faul wird, sondern knackig erst in den Einkaufswagen und später die Einkaufstasche wandert. Die geneigte Kundin (ja, auch der Kunde!) kann befühlen, beschnuppern, besehen, vergleichen; es sind heimische Gemüse- und Obstsorten genau wie Exoten in den zur Schau gestellten Kästen zu finden. Und das selbst bei den Märkten mit den gelb-roten Plakaten in der Werbung.

Ich muss häufig darüber hinwegsehen, dass die Äpfel zu einer Erntezeit anstatt aus dem reichen Alten Land vor meiner Haustür vom Cape oder aus Argentinien kommen, die Tomaten - obwohl um die Ecke eine gute Ernte war - aus holländischen Gewächshäusern und Paprika in einem Mix angeboten wird, obwohl ich nur den grünen haben möchte. Nun gut, das alles treibt mich schon eher dazu, diesen Märkten fernzubleiben. Aber es ist so einfach. Ich komme jeden Abend auf meinem Heimweg just an einem solchen vorbei und - haste nicht gesehen! - fällt mir doch glatt ein, was zu Hause noch fehlt.

So gesehen gehe ich leider viel zu oft in diesen Laden mit dem gelb-roten Emblem. Und ärgere mich nach nahezu jedem Einkauf über irgendetwas.

Um in diesem Zusammenhang auf die Frische von feinen Salaten zurückzukommen:

Für das Wochenende fehlte mir noch ein Eisbergsalat (Sie merken es schon: Nach diesem Vorgeplänkel kommen wir endlich zur Sache!). Ich begebe mich also zu der berieselten Frisch-Gemüse-Theke und werde fündig. Der Eisbergsalat liegt bergig aufgestapelt und lacht mir entgegen. Mit Fingerspitzengefühl suche ich eine schöne feste runde Kugel, nicht zu groß, gerade richtig für einen Zwei-Personen-Haushalt. Sie fühlt sich gut in der Hand an. Vermutlich der Hygiene wegen sind die Eisberge alle samt und sonders in Frischhalte-Folie gewickelt. Ja, was denken Sie? Alles kann die Berieselungsanlage auch nicht frisch halten.

Der Kopf kostet schlappe 0,49 € - ein Schnäppchen, wie ich finde.

Es kommt noch einiges zum anderen und an der Kasse hab ich dann schon wieder rund 11 € auf der Rechnung. Das macht es eben, dieses Einkaufen ohne Zettel nach dem Motto: Was fehlt uns denn heute?

Es ist Freitag und der Kopf (der Salatkopf!!!) bleibt bis Samstag im Kühlschrank zu Hause liegen. Dann soll er verarbeitet werden. In Gemeinschaft mit Radieschen, Gurken, Apfel, Schafskäse und Kräutern wird er sich garantiert wie zu Hause fühlen. Ich lege den noch eingewickelten Salat auf das Brett und hole zum großen Schlag aus. Ich halbiere den Kopf. Was drinnen ist, ist brauner Matsch. Kaum zu glauben. Außen knackig, innen Matsch. Ekliger matschiger Matsch.

Und das ist nicht das erste Mal. In den letzten 14 Tagen habe ich nun schon drei matschige Eisberg-Köpfe in meiner Küche gehabt. Das ist sehr ärgerlich. Nicht der Preis - der ja wirklich weniger als gering ist - stört mich. Nein, es verdirbt mir die Laune. Denn meine Vermutung geht folgender Maßen:

Der Eisberg ist nicht vor der Haustür gewachsen (Herkunftsland? Hab ich beim Kauf nicht drauf geachtet). Er hat eine lange Fahrt auf einer sehr stark gekühlten Lastwagenladefläche hinter sich; vermutlich aus dem südeuropäischen Raum oder aus sonst wo. Dann hat man ihn schön dicht gelagert und gequetscht. Zur Erholung kam er unter die Berieselungsanlage, damit er so tun kann, also ob. Salate dürfen so was gar nicht, davon mal ganz abgesehen.

Was mich aber am meisten ärgert, ist die Tatsache, dass ich meinen schönen gemischten Salat nicht vollständig zubereiten kann. Denn Sie werden verstehen, dass sich Matsch und Radieschen gar nicht vertragen. Und ich denke, den Geschmack müssen wir überhaupt nicht ins Spiel bringen.

 

Dieses Mal also ärgere ich mich über die Maßen und beschließe deshalb, den Kopf (den vom Eisberg) in seinen zwei Hälften zurück zum Pe... ähh, zum gelb-roten Laden zurückzubringen. Gesagt, getan. Und was habe ich für ein Glück. Zwei der am Frischhalte-Coup beteiligten Männer in Werbe-T-Shirts ihres Unternehmens stehen etwas gelangweilt vor dem am Montagmorgen noch leeren Supermarkt und harren der Dinge, die da in Gestalt reinzulegender Kunden auf sie zukommen werden.

Der Dialog, der sich mit Verkäufern und Helfern dieser Läden entspannt, ist immer druckreif. So habe ich vor ein paar Jahren dort einmal eine fertige Vanille-Soße erstehen wollen, so eine leckere aus Dänemark. Sie heißt „Tante Sowieso" oder so ähnlich (Schleichwerbung mach ich hier nicht!). Ich hatte diese Soße in den praktischen kleinen Tetrapacks schon mehrfach dort gekauft und mein Vorrat war zu Ende gegangen. Als ich nach einigen Wochen die Soße erneut kaufen wollte und sie im ganzen Laden nicht fand (es ist ja schon abenteuerlich genug, wie man sich immer wieder umorientieren muss, weil die Werbefachleute den Laden ständig um und umwälzen und nach den neuesten Erkenntnissen des Kaufverhaltens die Kunden dahin bringen, wo sie vorher noch nicht gewesen sind), also - die Soße fand sich trotz aller Sucherei nicht, fragte ich einen der im Laden greifbaren Helfershelfer (das ist auch nicht so leicht, denn es gibt darunter Kollegen, die es wunderbar einrichten, hinter Stapeln von Ware zu verschwinden, sobald man mit einem fragenden Gesicht auftaucht, aber da hatte ich mal Glück), wo denn die dänische Vanille-Soße nun geblieben wäre. Er sah mich an, als hätte ich grüne Antennen am Kopf und aus der Nase wachsende Tentakeln. Dänische Vanille-Soße? Hätte er noch nicht im Laden gesehen. Ich teilte ihm freundlich mit, dass ich die Soße doch gerade vor vier Wochen noch erstanden hätte. Nun musste er wohl oder übel zum Filialleiter gehen und nachfragen. Der sagte ganz lapidar: Ach, die Soße? Ja, das ist eine Saison-Ware.

Häh? Saison? Welche Saison?
Die wird im Sommer nicht gekauft. Wir hatten August. War der Juli noch kein Sommer? Oder welche Saison meinte er?
Es ist relativ unergiebig, um solche Dinge mit den Filialleitern zu streiten. Hier hat nicht der Kunde recht, sondern der Herr des Marktes!!!

Nein, die Mitarbeiter in Gelb-Rot entschuldigen sich nicht, sagen nicht, ach, das tut uns leid. Die Soße führen wir nicht mehr. Nein, er beharrte darauf, dass es eine Saison-Ware gewesen sei und ich hätte wohl noch Glück gehabt, weil ich noch eine Restpackung gekauft hätte. O.k. Lassen wir es dabei und wenden uns wieder dem halbierten Eisbergsalatkopf zu. Halbiert ist ja schon gut, da kann man das Innere richtig gut betrachten.

Ich hatte den Kopf in einer Plastiktüte. Wo hätte ich ihn auch sonst einpacken können?

Ich erklärte mein Hier sein und reichte dem einen Mitarbeiter, der mit dem anderen vor der Ladentür stand und ein Schwätzchen hielt, die Tüte hin. Der schaute hinein , hörte sich meinen Vortrag an (der - ich gebe es zu - schon etwas meckerig war; mein Ärger vom verpatzten Salat war noch vorhanden) und schaute dann noch einmal in die Tüte. Dann bemerkte er:

„Das ist ja kein Wunder. Wenn Sie ihn in der Plastiktüte herumtragen - und wer weiß, wie lange schon."
Frech, oder?

Ich war sprachlos. Gut, ich hatte den Bon nicht mehr. Aber ich erklärte ihm - nun ganz ruhig, denn ich bin nur hin und wieder gewalttätig -, dass ich den Kopf am Freitag - also vor drei Tagen - gekauft habe, ihn mitnichten in der Tüte, sondern im Kühlschrank aufbewahrte und ihn erst an diesem Morgen zu Transportzwecken in eine auch noch ladeneigene Tüte gesteckt hätte.

„Tja", meinte der sonnige Kollege, „wir stecken auch nicht in den Salaten."
Und das sollte bestimmt ein Kalauer sein - bei dem Kopf, den er auf den Schultern trug.
Sprachs und schmiss das ganze Gelump in einen vermutlich extra dafür bereitgestellten großen Plastikcontainer, in dem sich schon mehrere verdächtige Produkte ähnlicher Spezies befanden.

Immerhin fragte er noch einmal nach dem Kassenbon. Ich gebe zu, Bons bewahr ich in der Regel für Hardware auf, nicht für Software, in diesem Fall für Grünzeug.

Ich erklärte ihm, dass es mir nicht um die 0,49 € ginge. Ich würde, da es bereits das 3. Mal in Folge geschehen sei, einfach keinen Eisbergsalat hier mehr kaufen würde. Er möge es aber seinen Lieferanten mitteilen, dass die Ware besser geprüft würde.

Nun weiß ich natürlich, dass dieser kleine Mitarbeiter gar keinen Einfluss auf Lieferanten oder sonst wen hat, aber ich musste ihm doch ein bisschen Vertrauen in seine Verantwortung geben.

Ich bin mir sicher, dass meine Worte den Weg alles Weggehörten gehen, aber das ist mir nun auch egal. Meinen nächsten Salat (und auch diverse andere) kaufe ich nun nicht mehr in Gelb-Rot, sondern bemühe mich, nette kleine türkische Läden auf dem Arbeitsweg aufzusuchen. Hier werde ich freundlich bedient und als ich neulich dort tatsächlich mal ein Problem mit einer Ware hatte, überreichte man mir eine große Tüte mit Basilikum und anderen Kräutern als „Entschuldigung".

Was sind wir Kunden bloß immer wieder blöde und lernen nicht?

©Margret Silvester, 28.07.09

 

 
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