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"Die Männer beherrschen die Welt, und das ist der Grund, weshalb es ein so beschissenes Durcheinander ist."

Gordon Matthew Sumner,
besser bekannt unter dem Namen Sting 

 
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Sommerregen PDF Drucken E-Mail
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Samstag, 18. Juli 2009
Da fällt ein langersehnter dichter Regen,
ein Vorhang schiebt sich in die Feuerzeit.
Die Szenerie - zum Wechsel stets bereit -
setzt eine neue Feuersbrunst dagegen.

Aus einem Himmel, der schon müde war,
stürzt sie zur Erde, entreißt sich ihrer Amme,
die sie gehütet hat, die wohlverwahrte Flamme.
Das Leben nimmt des Bruders Grollen wahr.

Da ist ein Tanzen unter schweren Tropfen,
mit nackten Füßen und mit nackter Haut,
die Herzen fangen wieder an zu klopfen.

Ein letztes Mal ertönt die altbekannte Weise,
das Blut rauscht durch die Adern wild und laut.
Nur zäh und widerwillig wird es später leise.

(Aus: Lied der Jahreszeiten"; Sonett XII des Sommers; erschienen im Engelsdorfer Verlag 11/2008)


Wir liefen barfuß und genossen die warmen Tage des Sommers. Die Ferien hatten begonnen und die Freiheit war überall. Die noch nicht ganz so verkehrsreichen Straßen - sogar in einer Großstadt wie Hamburg - gehörten uns. Wenige verließen die Stadt, um anderswo Urlaub zu machen und wenn, dann eher in der näheren Umgebung wie dem Ostsee- oder Nordsee-Strand, zum Beispiel. Wir waren voller Phantasie und bemühten unsere Eltern höchstens um ein Brot, wenn der Hunger zu sehr nagte. Die heimischen vier Wände sahen mich frühestens, wenn die Dämmerung eintrat und wir wohl oder übel der Stimme der Erziehungsberechtigten folgen mussten, die uns aufforderte, nach Hause zu kommen. Das Wetter war sicher ähnlich wie heute. Wenn ich den Hunderjährigen Kalender anschaue, so bringe ich in Erfahrung, dass "im Jahr 1954 der Sommer überwiegend durch eine Westwetterlage" (also viel Regen) geprägt war. Der Juni damals war extrem trocken und heiß, aber dann bis in den August gab es immer wieder Tage mit viel Niederschlag. Der Juli 1954 war besonders im norddeutschen Raum einer der niederschlagsreichsten der Klimageschichte.
Auch das Jahr 1956 beschwerte uns mit Sommerorkanen und Regen.
Ich erinnere das nicht mehr. Für mich waren diese Sommer meiner Kindheit ungetrübt, vor allem durch die viele Freizeit, die wir als Kinder hatten. Wir benötigten noch keinen Terminplaner und bei vielen war ein Elternteil zu Hause.
Wie immer auch - ich erinnere mich, dass wir sogar den Regen, wenn er sich ein Stelldichein gab und die Erde zum Dampfen brachte, in unsere Spiele einbezogen. Die Kantsteine, noch nicht zugeparkt mit Autos, wurden zu kleinen Bächen, durch die das Regenwasser in die Siele floss. Wir marschierten, ein Bein oben auf der Kante des Fußweges, eines im Wasser, durch diese reißenden Fluten und "kämpften uns ans sichere Ufer".
Wir holten die Roller, so wir welche besaßen, raus und nutzten sie als Wasserfahrzeuge, indem wir, eine große Bugwelle vorantreibend, entlang den Straßenkanten bis zum nächsten Siel fuhren.
Wir ließen Holzstückchen in rasanter Fahrt im Siel verschwinden, auch kleine Papierboote, die wir falteten; meist aus alten Zeitungen, die dem Lumpensammler entgangen waren.
Die Erwachsenen standen in den Haustüren und sahen diesem Treiben zu, lächelten und waren guter Dinge. Mitunter fanden sich auch alle Hausbewohner mit Küchenstühlen ein, die dann in den unteren Fluren gemeinsam Kaffee tranken und Zeit fanden, miteinander zu schwatzen.
Hört sich ein wenig verklärt an, wenn ich es nachlese, aber die Erinnerung spielt uns nicht nur Streiche. Es sind die Gefühle, die hängen bleiben und gestern, als es vom Himmel schüttete, wieder geweckt wurden.
Schwer beladen kam ich aus einem der Einkaufsparadiese und hatte für das Wochenende die notwendigen Dinge eingekauft. Wie gesagt, es schüttete. Für 16 Uhr von Wetterfröschen eines regionalen Rundfunksenders vorausgesagt, und nun verfrüht um 14 Uhr schon in vollem Gange.

Die Menschen, die ebenfalls ihre Einkäufe hier erledigt hatten, standen mit mürrischen Gesichtern, Blicke nach oben gerichtet, und fluchten. Sie verstiegen sich sogar in üble Hass-Tiraden gegen die Lage im allgemeinen und vergessen waren die letzten Tage, an denen sie ähnlich auf die Hitze reagiert hatten.
Kinder wurden eilig in die trockene Eingangszone gezerrt, obwohl ihre ausgestreckten Zungen  mit Wonne den einen oder anderen Regentropfen aufgefangen hatten. Neben den schweren Taschen kamen nun auch noch Regenschirme zum Einsatz, die von den ganz Klugen immer mitgenommen werden.
Leute aller Altersgruppen hetzten, die Vordächer der Läden nutzend, die Straße entlang und bemühten sich, nicht in die schnell wachsenden Pfützen zu treten. Es ist nur logisch, dass sie den Kindern gleiches verboten.
Ich selbst war mit dem Rad vor Ort. Ich schaute mir das Treiben eine Weile an und dachte mir:
Mein dünnes Hemd und die ebenfalls sommerliche Hose trocknen schnell wieder.
Ich wartete eine kleine Weile und dann ließ der schlimmste Regen ein wenig nach. Nein, er hörte nicht auf, aber die schweren Tropfen gingen in sanftere über. Wie ein Vorhang aus den Wolken bis hinunter zur Erde streckte sich das Nass und ich bestieg mein Rad, fuhr durch diesen Vorhang nach Hause.
Ich suchte die Stellen mit den großen Pfützen auf der Straße und fuhr durch sie hindurch, die Füße von den Pedalen abgehoben und die Beine nach außen gestreckt. Ich fuhr mit einer Bugwelle voran nach Hause. Dort rieb ich meine Haare trocken, zog mir etwas bequemes Trockenes an, nahm mir einen Kaffee und stellte mich in die Terrassentür, um dem Schauspiel des Sommers noch eine Weile zuzuschauen.
Für mich war der Regen der aufgesparte meiner Kindheit. Ohne eine Veränderung.
Nur die Zeit ist gegangen und hat der Eile Platz gemacht.


©Margret Silvester, 18. Juli 2009
 
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User Comments

Liebe Margret,

mit Deinem Text hast Du mich gerade wieder in meine Kindheit versetzt. Danke dafür.

Erst gestern, in der Abschlussrunde meines Praktikums, haben wir die Kinderaugen leuchten sehen, welche eine Woche Natur erleben durften. Aus Kindermund zu hören das es toll war und man sonst wohl nur am Pc oder vor dem Fernseher gesessen wäre, ist ein unbeschreibliches Gefühl. Auch wenn wir mit dem Wetter Glück und damit wenig Regen hatten, so war es wirklich ein Geschenk zu sehen, wie die Kinder von Tag zu Tag mehr aufgeblüht sind und mit immer mehr Spaß an der Sache dabei waren. Ich denke gerade an die erschreckten Eltern, welche ihre Sprösslinge hoch oben in der Spitzeiche und der Hainbuche entdeckten, welche sie erklommen haben und höre das Lachen der Kinder von dort oben. Ein Kind rief ganz laut:'Papa, komm auch hoch' und ich war erstaunt, den er tat es und hatte genauso Spaß wie sein Sohn.

Wir sollten uns viel mehr an unsere Kindheit und die tollen Erfahrungen erinnern welche wir gemacht haben und machen durften.

viele Grüße
Ingo

Veröffentlicht von Helrunar, An 07/18/2009 bei 12:23

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