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Über Geschmack lässt sich nicht streiten. Und vor allem nicht über den unterschiedlichen Geschmack von Müttern und Töchtern. Gestern auf der Eppendorfer Landstraße : Ich...

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Home arrow Streiflichter arrow Opern sind unter uns!!!
„Wer die Freiheit aufgibt um Sicherheit zu gewinnen, der wird am Ende beides verlieren."

Benjamin Franklin
*1706 +1790, USA
 
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Opern sind unter uns!!! PDF Drucken E-Mail
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Sonntag, 17. Mai 2009
Opern in freier Wildbahn

"Also, ich weiß nicht, meine Cornflakes schmecken heute Morgen irgendwie nach ‘Othello'."
"Ist nicht wahr. Dabei habe ich noch nachgefragt, und in der Meierei wurde mir versichert, dass es Milch mit dem Geschmack von ‘Die Hochzeit des Figaro' sein soll. Ich werde mich beschweren."
"Wenn du schon hingehst, frag doch mal, ob sie wieder Milch nach ‘La Traviata' abgeben können. Du weißt schon. Am liebsten nach ‘Oh, lasset uns fliehen aus diesen Mauern'."
"Was gefällt dir denn hier in unserer Küche schon wieder nicht?"

So oder ähnlich könnten demnächst die Gespräche in fröhlicher (oder auch trauriger) Frühstücksrunde ablaufen, wenn es nach dem Wunsch eines Bauern aus England geht. Der schlaue Kerl forscht nämlich am musikalischen Geschmack seiner Kühe und hat unlängst einen Opernsänger - logischer Weise einen Italiener -  in den Stall zu seinen Milchkühen gestellt.        
Wir werden es irgendwann erfahren, ob es die Milch eher geschüttelt als gerührt hat beim Hören der geschmetterten Arien oder ob ihr womöglich zu Wagners "Lohengrin" Schwanenflügel gewachsen sind. Da es eher Opernarien der erschütternden Art gibt, nehme ich mal an, dass wir demnächst auf klare frische Milch zugunsten von fertiger Butter verzichten müssen.

Es ist noch gar nicht lange her, da wurde bekannt, dass Kühe glücklicher sind, wenn sie einen persönlichen Namen haben. Ist das wahr? Es ist doch immer wieder erstaunlich, wie lange Menschen benötigen, um Altes wieder zu erinnern und in den Arbeitsalltag aufzunehmen. Wir können ja froh darüber sein, denn wir lernen immer wieder von Tieren und es wird nicht mehr lange dauern, da werden wir darüber belehrt, dass auch wir nicht nur eine Nummer in einer Kartei (resp. Datenbank des Internets) sind. Abgesehen davon, dass sich prächtig darüber streiten lässt, welcher Name zu wem passt und ob ein Kind Agrippina Meyer heißen sollte, wird es doch Zeit, dass wir uns allgemein auf Menschlichkeit besinnen. Allüberall. Womöglich wäre es auch dem Amtsschimmel nicht abträglich, wenn ihm eine Arie den verstaubten Büroalltag versüßen würde. Es käme natürlich darauf an, welche Arie es sein sollte. Nicht alles, was dahin geschmettert wird, ist musikalisch zu ertragen. Und womöglich kann so eine Arie die Sache nur verschlimmern; nehmen wir mal an, in einer Baubehörde steht ein Bariton und füllt die Flure mit Melodien aus ‘La Bohemé'. Da hat doch ein Beamter, der Bauanträge bearbeiten soll, gleich eine Assoziation von Armut und nicht bezahlen können; oder ein anderer wird bei ‘Tristan und Isolde' daran erinnert, dass seine Frau es daheim mit einem anderen treibt. Und was wird dann aus dem Bauantrag? Nix! Und fies wäre auch ‘Auf leeret in durstigen Zügen den Kelch, den die Schönheit uns schenket...'. Denn schön sind die meisten Amtsstuben ja wahrlich nicht.
Bleiben wir aber noch ein Weilchen in der Tierwelt, will sagen: in der domestizierten. Da lässt sich doch manches denken. Wenn Hühner beim Eierlegen musikalisch untermalt werden, stehen uns nicht nur Eier ins Haus, die schick in Schale sind, sondern die auch noch auf der Zunge zergehen wie Melodien aus der "Zauberflöte".  Da schallt uns dann aus dem Eierbecher ‘Dies Bildnis ist bezaubernd schön' entgegen und du freust dich - solange, bis du mal wieder in einen Spiegel schaust.
Das können wir nun aber niemandem wirklich in die Schuhe schieben, denn wie soll der Bauer der die Hühner hält, vorher wissen, wer denn das einzelne Ei kaufen wird? Es wäre nun wahrlich übertrieben, wenn der Verbraucher vorher seine Wünsche anmelden könnte - für das einzelne Huhn. Und doch wäre es eine Überlegung wert.

Ich merke schon, diese Sache ist ausbaufähig. Ich werde heute bei der Gartenarbeit eine CD auflegen, vielleicht "Carmen", so eine erdverbundene Oper. Daraus die ‘Blumen-Arie'. Oder vielleicht bringe ich mit "Orpheus" (das ist der, der freiwillig in die Unterwelt geht) die Regenwürmer dann dazu, den Humus nach Noten herzustellen.

Bleibt noch anzumerken, dass der Opernsänger im Stall bei den Kühen später von einem phantastischen Publikum sprach. Keine einzige hat vor dem Ende der Darbietung den Stall verlassen oder auch nur eine Kritik angemerkt. Na, wenn das nix ist.

Hat noch jemand eine Idee?


©Margret Silvester, 17. Mai 2009

 
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