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                                                                                                       Anonymus
 
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Samstag, 31. Januar 2009
Oh, diese Neunmalklugen

Es ist mir immer wieder ein Vergnügen, kleinen Kindern im sprachlichen Umgang mit ihren Eltern zuzuhören. So nebenbei. Umgekehrt ist es eher kein Vergnügen, weil ich oft Zeuge werde, wenn Eltern auf Fragen ihrer Kinder irgend etwas Kurzgefasstest und gar Albernes daher reden. Und ich frage mich oft, weshalb Erwachsene dazu neigen, Kindern - sozusagen erstmal - Fehlerhaftes beizubringen.
Vor Schaufenstern stehend, kommt man hier bei der Recherche zu den besten anschaulichen Ergebnissen.
Ein Vater der Eppendorfer Art steht mit seiner kleinen Tochter vor einem Laden, der sich “Lütt und fien” nennt und noch nicht so lange etabliert ist. Wie der Name erahnen lässt, kann man hier “Kleines und Feines” erstehen, im wahrsten Sinn des Wortes. Niedliche Sachen für Kinderhände und -herzen. Auch Erwachsene freuen sich über die Auslagen in den beiden großen Fenstern. Es ist eines jener Geschäfte, die meist nicht lange überleben, weil sie unter Umständen zu gut sortiert sind und die Preise nicht gerade in den unteren Klassen angesiedelt. Aber schön sind die Dinge und die Dekoration im Schaufenster wechselt häufig.
Zurück zu dem Vater-Kind-Paar:
Die Kleine patscht mit ihren Händen, die vermutlich so um die vier Jahre alt sind, genau wie das ganze wunderbare Geschöpf in dem dicken blauen Zweireiher, den wir früher Dufflecoat nannten, an die Fensterscheiben und würde sich die Nase platt drücken, wenn diese schon in Augenhöhe wäre. So aber schaut sie über den Rand der Fensterleiste und kann wohl gerade die Dinge erspähen, die höher liegen oder größer sind. Im linken der beiden Fenster stehen aufgereiht allerliebste kleine Waschmaschinen, die den echten sehr ähnlich sind, aber eben en miniature. Ich schätze 1:12, Format der Puppen, die auf staksigen Beinen und mit völlig deformiertem Körper unseren Kindern weismachen sollen, dass das gesund ist.Der Vater sagt zu seiner kleinen Tochter:“Oh, schau mal. Waschmaschinen für Puppen.”Die Kleine - und ich könnte sie dafür knutschen - fragt:“Kann man Puppen darin waschen?”Er: “Aber nein, diese Maschinen sind für - äh, für Kinder.”Die Kleine: “Für Kinder?”Der Vater: “Ja, für Kinder. Für dich und Anni und auch für die Suse.”Die Kleine: “Die Suse auch?”Er: “Ja, warum nicht?”Das Kind: “Suse wird in der Badewanne gewaschen.”Der Vater: -------Das Kind: “Und ich pass da gar nicht rein.”Der Vater, man merkt es, stößt an die Grenzen seiner Geduld:“DU sollst doch nicht darin gewaschen werden. Es ist - es ist - zum Spielen, weißt du?”Das Kind: “Kann man damit denn richtig waschen?”Der Vater: “Weiß ich nicht. Aber vielleicht.  - Möchtest du so eine Waschmaschine haben?Die Kleine: “Nö.”Er: “???”Pause.Die Kleine: “Unsere Waschmaschine zu Hause ist viel größer.”Der Vater: “Sicher, muss sie ja auch., Da passen unsere Sachen rein.”Das Mädchen: “Nur unsere Sachen?”Der Vater: “Klar. Wessen denn sonst?”Die Kleine: “Meine Puppensachen. Mama und ich waschen zusammen."Leider gingen die Beiden danach weiter und ich in den nächsten Laden, um meinen Einkauf zu erledigen. Die Sache hat mich nachdenklich gemacht. In dreierlei Hinsicht. Erstens hat mir das kleine Mädchen mal wieder aufgezeigt, dass es Gebrauchsgegenstände nicht en miniature geben muss und zweitens erfährt man, dass zu Hause die Waschmaschine von den Frauen des Hauses benutzt wird, letztens frage ich mich auch, ob der Vater der Mutter - also seiner Frau - wohl zum nächsten Geburtstag eine neue Waschmaschine schenkt?
Wenn schon seine Tochter keine haben will?

Margret Silvester
3. Februar 2009
 
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User Comments

Hallo liebe Margret,

ein ganz wunderbarer Artikel. Ich bin schon sehr gespannt auf die Fragen meiner 'großen' Tochter, wenn sie erst jenes entsprechende Alter erreicht hat. Zur Zeit bewegen wir uns ja noch innerhalb der Wortschöpfungen einer knapp Zweijährigen, wie z.B. der Formulierung:'Dabn!' Es handelt sich um die Kurzfassung der Wörter:'Da haben!' Sie wird mit erstaunlicher Ausdauer und in energischem Tonfall vorgetragen. Eine eigene klare Meinung zu den Dingen in ihrer Umwelt hat die Großmaus auf alle Fälle auch jetzt schon. Der Waschmaschinen-Papa der Eppendorfer Art würde von ihr vermutlich ein ähnliches Echo bekommen, wie von seiner Tochter. Möge es ihr erhalten bleiben.

Liebe Grüße,
die Mascha

Veröffentlicht von Natascha Komander, An 02/07/2009 bei 23:19

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