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Des geistigen Menschen höchste Leistung ist immer Freiheit. Freiheit von den Menschen, Freiheit von den Meinungen, Freiheit von den Dingen, Freiheit nur zu sich selbst.

Stefan Zweig (1881 - 1942

 

 
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Mittwoch, 12. November 2008
Was ist ein Freund -

Ja, wie soll ich dir das beantworten. Wie zeichnet sich ein Freund aus. Welche Eigenschaften hat er? Das ist schwierig. Die Abstufung in Sachen Freundschaft ist quasi fließend. Mit einem Freund, da kannst du Pferde stehlen, zumindest mit einem guten Freund. Auch wird er dir vielleicht mit Geld aus einer Notsituation heraus helfen. Vielleicht. Bei Geld hört die Freundschaft auf, so sagt man. Das stimmt manchmal. Nicht bei allen, aber bei vielen.
Mit einem guten Freund kannst du durch dick und dünn gehen. Mag so sein. Aber was ist ein „echter" Freund? Einer, der für dich alles tut, für den du eintrittst. So einer wie bei Dionys, dem Tyrannen. Wo einer für den anderen gebürgt hat (deshalb „Die Bürgschaft"). Geschrieben hat Friedrich Schiller mal das Gedicht darüber, eher eine Ballade. Schiller war auch ein Freund für viele. Er selbst hielt sich sogar für einen Freund von Goethe, dabei hat jener ihn eher nicht zu den seinen gezählt (ist nachzulesen in der Biografie „Unser armer Schiller" von Johannes Lehmann, ein lesenswertes Buch im Taschenformat, erschienen bei Rowohlt).
Das Wort „Freund" wird oft gequält. Es wird benutzt, obwohl von Freundschaft weit und breit keine Rede sein mag. „Das ist mein Freund", sagte Tim, der kleine Sohn meiner Freundin und meinte damit einen Jungen gleichen Alters, der ihm ein blaues Auge verpasste, nachdem Tim ihm ein Metallauto auf den Kopf gehauen hatte. Wer will bei soviel Körperkontakt der Freundschaft widersprechen?
Später wird es eher heikel mit der Freundschaft. Heute sind Anna und Inke noch SO und morgen gehen sie sich, wo sie können aus dem Weg. In dem Alter zwischen 12 -15 ist es schwierig, manchmal unmöglich, Freundschaften tagtäglich aufrecht zu erhalten. Nun, sie werden quasi minütlich neu geschlossen. Das ist sehr tröstlich.

Aus Freundschaft kann manchmal Liebe werden. Auch hier gibt es keine niedergeschriebenen Regeln. Da fließen chemische Botenstoffe zusammen und vereinigen sich. Manchmal versickern sie schnell, es gibt aber auch Berichte, wo sie ein Leben lang in unterschiedlicher Intensität geflossen sind.

Aber - um auf den Anfang zurück zu kommen - was ist ein wahrer Freund? Woran macht sich so eine Freundschaft fest? Ich habe mir dazu Gedanken gemacht. Ich glaube, ein Freund, ein richtiger aufrichtiger echter, das ist so einer, bei dem kannst du zu welcher Zeit auch immer, sogar mitten in der Nacht, wenn draußen der Sturm tobt und du klitschnass Kilometer weit gelaufen bist, um zu ihm zu kommen und dich bei ihm auszuheulen, also, bei dem kannst du dann an die Tür klopfen. Und dann macht er auf, sieht dich an und sagt einfach: Komm rein. Zieh deine nassen Sachen aus. Und dann gibt er dir welche von seinen, zum Beispiel den schönen warmen Schafwollpullover und ein Paar dicke Wollsocken. Und er sagt: Setz dich hinten in die Ecke aufs Sofa bei der Heizung (oder Ofen, was auch immer, jedenfalls auf den wärmsten Platz des Hauses) und er fährt fort: Ich mach uns eine Tasse schönen heißen Tee mit Sahne und mit Honig, so, wie du ihn immer am liebsten gemocht hast. Er weiß, wie du ihn immer am liebsten gemocht hast. Und du willst was sagen, aber er geht in die Küche, ganz in Ruhe, und brüht den Tee auf. Das Wasser hatte schon gekocht, als ob er eine Vorahnung gehabt habe, dass du auftauchen würdest. Dann kommt er mit den dampfenden Tassen rein und gibt dir eine, so eine schöne dicke große mit viel Tee, viel heißem Tee darin. Und dann kramt er sogar noch etwas Gebäck hervor. Vielleicht ein Rest, aber ein Rest von den Keksen, die du am liebsten zu Tee isst.
Und dann willst du wieder was sagen, erst mal danke natürlich, aber weiter lässt er dich gar nicht kommen. Er sagt, also, bei diesem Wetter, da gehst du nicht mehr vor die Tür. Ich schlafe heute Nacht hier auf dem Sofa, hab sowieso noch zu tun. Und er geht und überzieht sein Bett mit der schönsten Bettwäsche, die er hat und dann holt er dich und sagt: Nun schlaf gut. Lass dein Herz zur Ruhe kommen. Morgen früh, wenn die Sonne den Tag erhellt und alles licht und luftig ist und wir wieder frei atmen, dann erzähl, was dich bedrückt. Und wir finden eine Lösung.
Das, meine Lieben, das ist ein Freund.


Dieses Streiflicht ist auch in gekürzter Form unter "Plattdüsch" hier veröffentlicht.

©Margret Silvester
 
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