Über Geschmack lässt sich nicht streiten. Und vor allem nicht über den unterschiedlichen Geschmack von Müttern und Töchtern. Gestern auf der Eppendorfer Landstraße : Ich...
Wenn der Hase nicht mehr läuft,
hat der Fuchs seine Arbeit getan
Merlin, November 2009
Sonette N° 1 - 8
Sonntag, 18. Mai 2008
Sonett N° 1
Nebelweiße Täler; spiegeln Wälder sich
In Wassern, - Eisvogel besetzt und peselbraun;
Kann klaren Auges noch der Falke schaun,
wobei der Schnee den warmen Zonen wich.
Die graue Flechte hat sich weit verzweigt.
Noch winterschlafend liegt der Große Bär -
Ein Tropfen Tau - und ist nicht mehr.
Die Erde dreht, die warme Seite steigt.
Auf violetten Träumen torkeln Distelfalter
In Vetternwirtschaft mit dem Kleinen Fuchs;
Das Moos zählt unbestimmte Alter.
Es lauschen Schlange und der weiße Mond
Den Flüglern, bunt und schwarzgefiedert.
Vielfältig ist der Erdenball bewohnt.
Sonett N° 2
Fischsilbrig schwimmend im Mäander
Ausreichend für den Otter, für den Luchs,
Lamm für den Wolf, Maus für den Fuchs.
Durststillend an der Tränke nacheinander.
Leicht behaart, mit ungelenken Händen
Das Salz entfernend von der warmen Haut;
Die Jungen und die Greise eng vertraut.
Im Kalten Fell, im Warmen nackte Lenden.
Blattgrün und Frucht von vielen Bäumen
Macht Bäuche aller Sippen ringsum satt;
Lässt regenbogenfarben träumen.
In strenger Kälte geht manchmal verloren,
was für das Erdenleben unentbehrlich ist.
Das Jüngste wird dann nicht geboren.
Sonett N° 3
Wasser, steingewaschen regenweich
Umtanzt kühlend nackten Fuß und Bein.
Braune Körper tauchen fließend ein
Neben Lilie und Ried und Laich.
Ein leichtfüßiger Menschenschritt
Beschädigt nicht das Binsenkraut;
Streift durch die Wälder ohne Laut,
wählt den Ort, auf den er tritt.
Menschen ohne einen festgebauten Hort
Folgen Rudeln, ihren eigenen Rudeln gleich.
Morgens wäscht der Regen ihre Wege fort.
Wildbrettausgleich für das Beerenmahl,
wärmend ist das Feuer in der Nacht.
Der Hunger dezimiert die Stammeszahl.
Sonett N° 4
Rotes Frauenblut tränkt trocknes Land;
Das Überleben wird den Kampf gewinnen
Und Hexenfäden weben Schutz und Linnen.
Tanith hilft mit ihrer eigenen Hand.
Stammes Kind zu sein heißt gleich geborgen,
Elternanspruch wird noch nicht erhoben;
Eng ist jeder mit dem Kind verwoben.
Das Heute zählt, nicht schon das Morgen.
Die Kinder kennen auch noch keine Väter,
denn das Geheimnis um Geburt gehört der Frau;
verraten wurde es dann sehr viel später.
Töten heißt in Stammesächtung stehen.
Wir schenken Leben, sind ihm zugetan;
Walpurga, lass uns immer sehen!
Sonett N° 5
Kräuter, Bodenfrüchte und auch Ähren
Heilen Leiden, machen satt und lebensfroh.
Stammesmütter teilen sinnvoll ebenso
Fell und Fleisch und anderes zum verzehren.
Wilder Mohn bewegt sich leicht im Regen,
Gaia dreht sich selbst im Gleichgewicht.
Heute zeigt der volle Mond sein rotes Licht
Und erweckt aus heißem Blut neues Leben.
Liebestanz aus reinem Zeitvertreib
Bewegt sich um das Feuer;
Denn licht und warm ist Lithas Leib.
Die kurze Nacht zeigt rote Streifen,
feuchtneblig steigt der Tag
und lässt die nächt'gen Früchte reifen.
Sonett N° 6
Feldfrüchte trugen nur noch leere Schoten,
doch die Jäger hatten eine gute Zeit,
waren die einzigen Ernährer weit und breit.
Die Göttin starb. Es folgten Kirchenboten.
Fackeln streiten mit dem Licht der Nacht;
Häuser wachsen, horten jetzt die Schätze.
Stadt ohne Rand wächst über viele Plätze.
Aus Eva wurde Jahwe nun gemacht.
Frauenwissen um Geburt und Sterben
Wird nach Folter auf dem Stoß verbrannt.
Münder können flüsternd nur vererben.
Sippenisoliert und ganz auf sich gestellt,
krakenhändig verrichtend alle Hausarbeit
ist sie, die dem Mann die Freiheit hält.
Sonett N° 7
Kaiser und Könige kaufen sich Soldaten,
die halten Land und Städte okkupiert,
vernichten den, der einen Krieg negiert.
Wo sind all die Blumen hingeraten?
Hinter Mauern in den kleinen Gassen
Toben Pest und Cholera und Pocken.
Da, wo Tausend aufeinander hocken,
sterben Menschen immer gleich in Massen.
Häuser, Slums und Städtemauer
Vernichtet dann und wann die Flamme;
Durch Bomben oder Grundstücksklauer.
Söldner sterben einen schnellen Tod.
Ihre Plätze werden schnellstens neu besetzt
Durch Kinder, die geboren trotz der Not.
Sonett N° 8
Stinkend und mit Molochs Armen greifend
Breiten Müllmaschinen sich im Lande aus,
steinern wändewachsend Haus an Haus
im Moderseeleninnern nichts mehr reifend.
Mit langen Krallenfingern und mit Geld
Sucht Kapital das freie unbebaute Land
Und setzt auch hier dann Wand an Wand
Für Atom und andere Pestilenz der Welt.
Schlange hat ihr Leben lange ausgehaucht,
der schwarze Mond sieht den letzten Tag,
die Erde ist vom Menschen aufgebraucht.
Die Große Mutter scheint bereits verloren;
Städtebau-Verplaner stehlen Lebensraum -
Doch Morgen wird die Göttin neu geboren.
Hier ist nicht der Platz zu kritisieren, doch macht mich traurig diese Sicht ! Altes ist nicht nur zu idealisieren, nur negativ ist´s 'Hier und Heute' nicht !
Warum ist´s gut, wenn Väter unbekannt ? Ein höheres Sein hat ihn ja doch gewollt ! Idylle wird gezeichnet in längst vergangnem Land. Wer weiss, wie hoch war dort der Opfersold !
Wie können wir denn alles so gut wissen ? Ist denn nicht vieles heut´ge Projektion ? Es hat kein´ Zweck, die Gegenwart zu dissen, sie ist jetzt da und harrt unsrer Aktion !
Da will ich auch als Mann ´ne gute Rolle spielen, und anerkennend anerkannt mich regen, Gottes Geschlecht kann ich nicht fühlen, nur denken ! Warum nicht weiblich, meinetwegen !
Die Mythen prägten uns, doch helfen sie weiter ? Ein jeder macht sich seinen eignen Reim, sie kratzen mich nicht sehr, ich bleibe heiter: Eva und Adam gingen einmütig sich auf den Leim !
Lasst uns die Gaben der Geschlechter nun heben ohne Hohngelächter ! Die Zeit des Klagens sei vorbei, wie wunderschön der Kranz gereimt auch sei !
Joachim Kügler
Veröffentlicht von Joachim Kügler, An 01/22/2012 bei 18:35
Wunderschön!!!
Von der harmonischen Wiege bis zum feindlichen Niedergang.
In Acht Sonetten, eine Glanzleistung, die den Kreis schließt.
In Hochachtung Merlin
Hallo, Merlin, so ist es. Aber nach dem "feindlichen" Niedergang folgt dennoch die Auferstehung. Danke für den Kommentar. Mit herzlichem Gruß Margret
Veröffentlicht von Andreas Schoefer, An 10/23/2010 bei 03:53