Hamburgs Wege, insbesondere die für Zweiräder Hamburg ist so wunderschön, so voller Superlative und Besonderheiten; hier toben täglich Winde und teilen die Menschen dieser...
"Das probier ich also aus. Und im Gegensatz zu früher, als meine Eltern verschämt darüber waren, kommt heute keiner, der mir die Verantwortung für mein Tun abnimmt. Im Gegenteil, heute kommen Fotografen und Schreiber der Journaille und auch seriöser Tageszeitungen, und setzen mich so richtig in Szene. Bin ich nicht gut gelungen? Hej, Freunde, schaut! Das bin ich! So seh ich aus, ich der Coole. Nicht umsonst haltet ihr mich für den Größten. Ich hab euch gezeigt, wo es langgeht. Ihr braucht es nur nachzumachen, dann bekommt ihr vielleicht noch mehr Presse. Und das Fernsehen war auch dabei. Die haben sogar das Video gesendet, was mein Freund von mir und dem bescheuerten Typen, an dem ich mich ausprobiert habe, gedreht hat. Bin ich ein Deutscher, schrei ich laut „Hurra!“; in anderen Sprachen gibt es sicher eine Übersetzung dafür. Mann, fühl ich mich gut. Was macht es schon, dass ich „mal eben“ für ein paar Jahre in den Knast gehe. Wenn ich wieder raus bin, kann ich euch noch ganz andere Dinge zeigen. Dinge, von denen ihr heute nicht einmal träumt. Ich freu mich geradezu darauf. Mein älterer Cousin wurde vor ein paar Jahren auch mal eingebuchtet. Heute ist er der Chef einer richtigen Gang auf St. Pauli. Ich treffe ihn manchmal. Und er hat immer ein Lächeln für mich und manchmal etwas Stoff, mit dem es sich leichter träumt und der mich den Hunger auf Leben vergessen macht.."
Solche oder ähnliche Gedanken mögen in den Köpfen derer vorgehen, die sich nicht trauen, gegen echte Gegner zu kämpfen, die es nicht gelernt haben, fair zu sein, weil zu ihnen auch keiner fair ist. Sie können keinen guten Wettkampf zu bestreiten, sondern suchen sich den Schwächeren, um ihre Ohnmacht, die sie allerorts erleben – zu Hause, in der Schule und anderswo - in Macht umzuwandeln. In genau die Macht, die ihnen täglich dort begegnet, wo eigentlich Liebe und Verständnis ihnen bei ihrer Entwicklung helfen soll.
Und da schreien manche nach härteren Strafen. Nach Haftstrafen für Kinder. Menschenskinder, die wir alle sind: Würden Gefängnis und ähnliche Strafen zu einer Besserung führen, längst lebten wir in einer Welt, gegen die das weiland beschriebene Paradies ein Müllhaufen wäre. Paradies! Schaut zurück und urteilt selbst, wie es bisher gelaufen ist.
…wenn nur ein Leben hinter Gittern klagt,
dann trügt hier wohl der schöne Schein,
dann haben alle schlicht versagt……
(Zitat aus "Lied der Jahreszeiten" - Frühlingssonette; veröffentlicht bei Engelsdorfer Verlag Leipzig; ISBN 13: 978-3867039178).
Wo findet sich das Schild, welches früher an allen Spielplätzen, Baustellen oder sonstigen gefährdeten Orten hing:
Eltern haften für ihre Kinder!
Oder wann kommt der Moment, an dem ein Leuchten von Millionen Glühlampen durch die Dunkelheit der Verbohrtheit strahlt, in die Köpfe dringt und dazu führt, dass alle erleuchtet werden und feststellen, dass diese Schwierigkeiten, die zur Zeit (und auch schon länger) bestehen, hausgemacht sind?
Wer ist es denn, der gegen die Ganztagsschulen ist, der Stellen im Sozialbereich ohne Ende streicht, der die Erwachsenen arbeitslos macht und in den Suff treibt, in dem sie nicht mehr wissen, was ihre Kinder tun? Leeres Gerede vom nationalen und internationalen Unsinn. Die Welt wird von Erwachsenen beherrscht. Weshalb benehmen sie sich nicht so und übernehmen endlich Verantwortung für die, die sie in die Welt geboren haben und hören auf, das ungeborene Leben noch vor die Hungernden zu setzen in Fragen des Schutzes? Wer nimmt die Eltern in die Pflicht und lässt sie wieder für ihre Kinder haften? Wie kann es angehen, dass in einem Stadtteil wie Hamburg-Wilhelmsburg – natürlich nicht nur hier – Mütter und Väter um 22 Uhr nicht wissen, wo ihre 10 – 12-jährigen Sprösslinge stecken? Und dies lapidar vor Kameras zugeben, ohne mit der Wimper zu zucken? Und es völlig normal finden? Haften Eltern nicht mehr für ihre Kinder? Machen wir uns keine Illusion - dafür gibt es auch keine Haftpflichtversicherung, für diese Veranntwortung.
Ich bin weit davon entfernt, hier in den Eltern die alleinigen „Schuldigen“ zu suchen. Ich möchte nur darauf hinweisen, dass sie die Verantwortung haben, und zwar für den Zeitraum, in dem ihr Kind das nicht alleine kann, es aber für das spätere Leben lernen muss. Wenn das umgesetzt würde, wären die Diskussionen in der Familie eine andere. Und es hört auf, eine Frage der Ehre zu sein, ob man den Nachbarsjungen, der eine große Klappe hat, einfach absticht. Die Ohrfeige, die das Kind vielleicht nach so einer Tat vom Elternteil erhält, sollte mit doppelter Wucht an den austeilenden zurück schlagen. Vor der Tat ist Handeln angesagt. VOR DER TAT. Natürlich benötigen die Eltern, so sie es früher auch nicht gelernt haben, Erziehungsberatung von Kompetenzen, die ihnen kostenfrei zur Verfügung gestellt werden; wenn es sein muss, mit Verpflichtung.
Und jetzt warte ich mit einem ganz ketzerischen Ansinnen hier auf:
Ich bin dagegen, dass die Volljährigkeit vom Alter her definiert wird. Diese starre Regelung führt dazu, dass Jugendliche, die zu schnell gewachsen sind und deren geistige Entwicklung nicht Schritt gehalten hat, in ihr Verderben getrieben werden, indem man sie einer Verantwortung zuordnet, mit der sich viele der älteren Erwachsenen schwer tun (s.o.). Besser wäre es, Volljährigkeit „auf Antrag“ zu genehmigen, nach eingehendem Gespräch mit dem Betreffenden. Aber das ist vermutlich zu abwegig gedacht. Da käme auch gleich wieder die Bürokratie auf den Plan. Und – wo wären wir denn - wenn die von den Parteien so umworbenen, ganz plötzlich mit regelmäßiger Wiederkehr in Zeiten der Wahl so wertvoll gewordenen 18jährigen noch nicht wählen dürften, wo doch jede Stimme zählt?
Man sieht allerdings auch, was dabei heraus kommt – bei den Wahlen, meine ich.
So möchte ich zum Schluss die mir wichtigen Sätze noch einmal herausstreichen:
- Information – JA! Aber aufgeilende und zum Brusttrommeln verführende Presse – NEIN!
- Nach dem ersten Vorfall, der Anlass zur Sorge gibt, Verträge mit den Eltern schließen, die sie in die Verantwortlichkeit bindet, die ja ohnehin gegeben ist
- Kindern und Jugendlichen – am Ende allen miteinander Lebenden – eine Welt eröffnen, die ihnen Alternativen zu ihrem Hass ermöglicht - den Fokus der Menschen wieder auf die lebendige Welt lenken
Wenn Sie, die Sie dies gelesen haben, ähnlicher Meinung sind, geben Sie sie gern weiter.
Nein, viel hinzuzusetzen bleibt dem wirklich nicht. Viele gute Gedanken, denen auch ich zustimme, sind bereits in diesem Artikel. Außer einer Kleinigkeit vielleicht, über die ich von Zeit zu Zeit immer wieder nachdenke.
Wechselnde Zeiten haben wechselnde Vorbilder und Trends, auch und gerade für die Jugend. Trends spiegeln ein gesellschaftliches Klima nicht nur wider, sie können auch ein bestimmtes Klima erschaffen. Vor meinem geistigen Auge tauchen die unterschiedlichsten Vorbilder auf, die einst gewesen - und nun vergangen sind. Wie sehen sie heute aus? 'Trendy' ist, eine Szene zu kopieren, wie sie z.B. in amerikanischen Großstädten in sogenannten sozial schwachen Gegenden existiert. 'Trendy' ist das Ghetto, ein Leben mit Kleinkriminalität, etc.
Die Wenigsten kennen die Gesellschaft, aus der diese Elemente kommen. Ich habe in den Staaten gelebt, im Ghetto gewohnt, weil ich dort arbeitete. Ich weiß, dass nichts an dem, was ich sah, dazu gedacht und geeignet wäre, als Trend verkauft zu werden. Es ist ein Leben im Elend und nichts, das in irgendeiner Form - und sei es nur in Form eines äußerlichen Gerippes - nachgemacht werden sollte.
Meine ketzerischen Gedanken dazu sind folgende:
Trends können gut verkauft werden. Sie sind dazu in der Lage, Gesellschaft in einer bestimmten Weise zu formen, Jugend zu formen. Wird 'das Ghetto' als Modell verkauft, ist dieser Trend theoretisch dazu in Lage, eine Zweiklassengesellschaft auf wundersame Weise zu zementieren. Gewalt unterstützt dieses Modell allemal.
Nur so dahin gedacht ...
Viele Grüße Mascha
Veröffentlicht von Natascha Komander, Seine Homepage here An 01/16/2008 bei 19:20
Na, dem bleibt natürlich nichts hinzuzusetzten. Schuld haben wir alle. In welcher Reihenfolge auch immer. Warum können Jugendliche am hellichten Tag unbehelligt jemanden zusammen schlagen? Eben, weil wir alle verantwortungslos daran vorbeischauen. Und wer jahrlelang soziales streicht um sich dann hinzustellen und nach härteren Strafen zu weinen, dem könnte man glatt einen fiesen-miesen, von langer Hand geplanten Wahlkampf unterstellen. Aber sich wundern und heulen braucht keiner. Und allen denen, die hier lesen, unterstelle ich auch das Wissen darum.
Veröffentlicht von Julia Richert, An 01/16/2008 bei 15:39