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"Wir haben die Lande gemessen, die Naturkräfte gewogen, die Mittel der Industrie berechnet, und siehe, wir haben herausgefunden, dass diese Erde groß genug ist; dass sie jedem hinlänglichen Raum bietet, die Hütte seines Glückes darauf zu bauen; dass diese Erde uns alle anständig ernähren kann, wenn wir alle arbeiten und nicht einer auf Kosten des anderen leben will; und dass wir nicht nötig haben, die größere und ärmere Klasse an den Himmel zu verweisen." Heinrich Heine

 
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Langzeitarbeitslosigkeit PDF Drucken E-Mail
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Samstag, 7. Juli 2007
Artikel Inhalt
Langzeitarbeitslosigkeit
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Seite 5
Seite 6
Über Langzeitarbeitslosigkeit und ihre Folgen.

Lassen Sie mich mein kleines Referat mit einer Anekdote beginnen.

Eine Arbeitslose bewirbt sich als Reinigungskraft bei IBM
Der Personalleiter lässt sie einen Test machen (den Boden reinigen),
darauf folgt ein Interview und schließlich teilt er ihr mit:
"Sie sind bei IBM eingestellt. Geben Sie mir Ihre E-Mail-Adresse, dann schicke ich Ihnen die nötigen Unterlagen". Die Frau antwortet ihm, dass sie weder einen Computer besitzt noch eine E-Mail hat. Der Personalmensch antwortet ihr, dass sie ohne E-Mail-Adresse virtuell nicht existiert und daher nicht angestellt werden kann.

Die Frau verlässt verzweifelt das Gebäude und erhält 10$ für die Reisekosten. Viel mehr hat sie auch nicht in der Tasche. Sie muss noch einkaufen und beschließt, in den nächsten Supermarkt zu gehen. Dort entdeckt sie, dass dort die Tomaten nur 1 $ das kg kosten, viel weniger als bei ihr zu Hause. In einer Blitzidee kauft sie 10 kg Tomaten. Dann geht sie bei sich zu Hause von Tür zu Tür und verkauft sie wieder. Innerhalb von 2 Stunden verdoppelt sie so ihr Kapital. Sie wiederholt die Aktion dreimal und hat am Ende 160 $.

Sie realisiert, dass sie auf diese Art und Weise ihre Existenz bestreiten kann, also startet sie jeden Morgen und kehrt abends spät zurück. Jeden Tag verdoppelt oder verdreifacht sie ihr Kapital. In kurzer Zeit kauft sie sich einen kleinen Wagen, dann einen Lastwagen und bald verfügt sie über einen kleinen Fuhrpark für ihre Lieferungen. Innerhalb von 5 Jahren besitzt sie eine der größten Lebensmittelketten der USA. Sie beschließt an ihre Zukunft zu denken und einen Finanzplan für sich und  ihre Familie erstellen lassen. Sie setzt sich mit einem Berater in Verbindung und er erarbeitet einen Vorsorgeplan.

Am Ende des Gesprächs fragt der Vertreter sie nach ihrer E-Mail-Adresse, um ihr die entsprechenden Unterlagen schicken zu können. Sie antwortet ihm, dass sie nach wie vor keinen Computer und somit auch keine E-Mail-Adresse besitzt. Der Versicherungsvertreter schmunzelt und bemerkt: "Kurios - Sie haben ein Imperium aufgebaut und besitzen nicht mal eine E-Mail-Adresse. Stellen Sie sich mal vor, was Sie mit einem Computer alles erreicht hätten!" Die Frau überlegt und sagt: "Ich wäre Putzfrau bei IBM".

Diese Anekdote soll nicht die alte Geschichte vom Tellerwäscher zum Millionär wieder aufleben lassen, obwohl ich auch die hätte erzählen können. Es geht mir dabei darum, gleich zu Beginn eine wesentliche Sache, die symptomatisch für viele Langzeitarbeitslose ist, darzustellen:

Den Verlust von Kreativität.

Auch, wenn unsere Tomatenverkäuferin mehr durch Zufall darauf gekommen ist, dass ihr Lebensunterhalt nicht mehr gefährdet ist, auch wenn es mit dem Putzjob bei IBM oder anderswo nicht geklappt hat, so hat sie doch eine Gelegenheit beim Schopf gepackt.

Langzeitarbeitslosigkeit und Langzeitbeschäftigungslosigkeit sind zwei Indikatoren zur Messung von lang anhaltender Arbeitslosigkeit und einer Ausgrenzung aus dem Arbeitsmarkt.

Wir lesen in Zeitungen und hören in den Nachrichten, dass Hamburg 80.455  Arbeitslose hat. Das ist im Bundesdurchschnitt eine Quote von 9% (Stand: Mai 2007) und eigentlich nur eine Zahl. Doch was ist eigentlich Arbeitslosigkeit überhaupt?

Dieser Begriff ist vom Charakter her vieldeutig, bezeichnet jedoch heute ausschließlich den Zustand, in dem ein Mensch sich befindet, der ehemals einer entgeltlichen Beschäftigung nachging, die er nun nicht mehr hat.

Arbeitslosigkeit trat demnach erst auf, nachdem Menschen in Lohn und Brot standen, soll heißen: Erst, wenn Menschen für eine Tätigkeit „entlohnt" - nicht „belohnt" - werden, und diese Beschäftigung verlieren, werden sie dem heutigen Sinn nach arbeitslos.

In Deutschland existiert das Wort „arbeitslos" erst seit Beginn einer Wirtschaftskrise im Jahre 1890.



 
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User Comments

Liebe Janine,
vielen Dank für den Kommentar. Bei einer so interessierten Zuhörerschaft macht das Vortragen einfach auch Spaß.
Vielen Dank noch mal an alle für die freundliche und gastliche Aufnahme.
Ihre
Margret Silvester

Veröffentlicht von Margret Silvester, An 07/08/2007 bei 13:11

Ich bin eine der Glücklichen, die in den Genuß gekommen ist, dieses Referat in live von der Verfasserin zu hören...

Es war interessant, das Thema 'Arbeitslosigkeit' mal aus einer anderen Perspektive als die des reinen ZDF (Zahlen, Daten, Fakten) zu hören.
Zumal viele meines Kurses gerade diese Befürchtung hatten, nachdem sie ob Ihres Berufes Bescheid wußten.

Liebe Fr. Silvester- ich möchte Ihnen nun auch auf diesem Wege nochmal danken- das Feedback seitens der Kurse war war durchweg positiv und ich hoffe, falls ähnliche Aufgaben während meiner Ausbildung auf mich zukommen, wieder von Ihrem Erfahrungsschatz profitieren zu dürfen.

Abschließend bleibt mir nur zu sagen: ich bin dankbar und froh Sie kennengelernt zu haben!


Mit den freundlichsten Grüßen

Ihre Janine L.

Veröffentlicht von Lienshöft, An 07/08/2007 bei 01:17

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