Hamburgs Wege, insbesondere die für Zweiräder Hamburg ist so wunderschön, so voller Superlative und Besonderheiten; hier toben täglich Winde und teilen die Menschen dieser...
Wie gesagt: Wer in der Stadt bleibt und mürrisch zum Himmel mit den grauen Wolken blickt, sollte flugs eine Seite mit Veranstaltungen aufschlagen und schon muss sich seine Laune einfach bessern. Sonst ist er selber schuld.
Regen-Lesezeit
Wer nicht vor die Tür treten will, weil er seinen Schirm gerade irgendwo hat stehen lassen, der kann sich mit Sommerlektüre in ein Polstereckchen verziehen und genussvoll in den Seiten stöbern, Tee oder ähnliche aromatische Getränke mit Inhalt schlürfend.
Als Anregung ein paar Titel, die herrlich spannend und entspannend sind.
Passend zur kommenden Jahreszeit eignet sich der "Mittsommermord" von Henning Mankell. Nichts für ganz schwache Nerven, umso mehr für Menschen, die gerne Kriminalisten über die Schulter schauen, denn ähnlich dem Krimi-Autorenpaar Sjövall/Wahlöö führt Henning Mankell seine Leser mit der Person seines Kripobeamten Kurt Wallender durch die schwierige Puzzle-Arbeit eines Falles und deckt menschliche Abgründe auf.
Ein noch tieferer Abgrund findet sich in dem Buch "Oskar Wilde im Wilden Westen". Ein Titel, der nur auf den ersten Blick triviale Hintergründe vermuten lässt. Hier hat der amerikanische Autor Walter Satterthwait es sogar geschafft, die wortreiche und blasierte Sprache Wildes perfekt aufzugreifen, so dass der Eindruck entsteht, Oskar Wilde hätte Teile des Romans selbst verfasst oder die Feder (pardon: den Computer) geführt. Wer Spaß an Sprache hat, für den ist dieses Buch genau die richtige Ferienlektüre.
Wer übrigens nicht selbst lesen, sondern zuhören möchte, für den mag das (fiktive) "Tagebuch von Oskar Wilde" (von Peter Ackroyd geschrieben, von Ulrich Matthes gelesen) eine Bereicherung der eigenen Bibliothek sein. Auch hier ist es dem Autor gelungen, die Sprache Wildes in Stil und Umfang einzufangen.
Wer sich außer für die Ausstellung "Hexenwelten" auch für die Hintergründe der Hexenverfolgung interessiert, aber Sachbüchern in den Urlaubswochen eher abweisend gegenübersteht, dem sei die Roman-Trilogie von Wolfgang Lohmeyer "Die Hexe","Der Hexenanwalt" und "Das Kölner Tribunal" empfohlen. Egal, ob der Sommer wunderbar, verregnet oder durchwachsen war: In den Jahren des frühen Mittelalters bis ins 18. Jh. hinein sind Menschen - vor allem Frauen - durch die Inquisition zu Folter und Tod verurteilt worden. Je länger diese "Hexenprozesse" andauerten, je mehr Scheiterhaufen brannten, desto weniger Menschen gab es, die Mut genug hatten, dagegen zu arbeiten oder gar zu sprechen, wen wunderts. Zu diesen wenigen gehörte ein Mönch, ein Jesuiten-Pater namens Friedrich von Spee, der zur damaligen Zeit ein Buch mit dem Titel "Cautio criminalis oder: Rechtliches Bedenken wegen der Hexenprozesse" verfasst und durch heimliche Wege an die Öffentlichkeit gebracht hatte. Die Veröffentlichung ist - wie sollte es anders sein - auch ihm zum Verhängnis geworden, welches im 3. Band der Trilogie offenbar wird. Wolfgang Lohmeyer hat hier keine Biografie geschrieben, und vieles an der Geschichte ist Fiktion, aber der Hintergrund ist außerordentlich gut recherchiert und glaubhaft. Friedrich von Spee und sein Werk sind real. Letzteres ist von vielen späteren Verfassern gründlich durchleuchtet und besprochen worden. Übrigens: Unser allseits verehrter Herr Paracelsus (so um 1540) war ein rechter Verfechter der Hexenprozesse. Er sagte: "Und was menschlicher Vernunft zu erfahren und zu ergründen ist, das kann durch diese Kunst der magica erfahren und ergründet werden (...) Denn magica ist eine behende reine Kunst (...) Aber da ist Aufmerkens hoch von nöten, daß derselbe (Glaube) nicht zu einem Aberglauben oder Mißbrauch werde, dem Menschen zum Verderben und Schaden. Wie denn alle Hexen tun, die sich in diese Kunst einflickt, sich darinnen geübt und sich mit ihr umgeben, wie eine Sau im Kot. So ist sie durch sie zur Zauberei geworden, und es ist nicht unbillig noch unrecht, daß man sie und alle Zauberer mit dem Feuer hinrichtet." Und nach so einem Menschen werden Straßen, Schulen und Kliniken benannt.....