Über Geschmack lässt sich nicht streiten. Und vor allem nicht über den unterschiedlichen Geschmack von Müttern und Töchtern. Gestern auf der Eppendorfer Landstraße : Ich...
Verantwortlich ist man nicht nur für das,
was man tut,
sondern auch für das,
was man nicht tut. Laotse
chin. Philosoph, 4.-3. Jhd. v. Chr.
Tierfreunde
Dienstag, 16. Januar 2007
Liebe Interessierte dieses Beitrages,
da sich Machenschaften in der Süderstraße (Tierheim in Hamburg) gerade an die Öffentlichkeit begeben und der Leiter des Tierheimes nicht mehr der Leiter ist, möchte ich darauf hinweisen, dass die Tiere in der Süderstraße nichts dafür können, dass Menschenwerk oft von Geldgier geprägt ist. Geldgier, die dazu führt, dass den Tieren nicht das zukommt, was für sie gedacht ist. Das ist schlimm und ich hoffe, dass die Verantwortlichen dafür zur Rechenschaft gezogen werden. Weiter hoffe ich, dass alle, die beim Tierschutz mitarbeiten und ihn unterstützen (wollen), dies auch weiterhin tun, aber künftig auch mit sehr wachen Augen beobachten und mit noch wacheren Ohren hören.
Diese Einleitung - meine ich - ist notwendig geworden, denn im folgenden Text wird der frühere Leiter des Tierheimes zitiert und nichts, was jetzt ans Tageslicht kommt, war zum Zeitpunkt des Verfassens mir oder anderen bekannt.
Mit freundlichem Gruß
Margret Silvester, am 11. Januar 2008
Haustiere - Tierquälerei oder -liebe?
Zu dem Zeitpunkt, als der Mensch begann, in Sippen zusammenzuleben, fing er an, Tiere zu domestizieren. Er erkannte schon bald, dass es weniger aufwendig war, die Tiere, die zur Nahrungskette gehörten, an den Lagerplatz zu gewöhnen, als sie zu jagen. Das hatte auf der einen Seite zur Folge, dass der Fleischanteil, der ehemals nur ca. 10% der Nahrung ausmachte, sich rasant erhöhte, andererseits wurden die Tiere zur Sache - Tauschware, Besitz - degradiert. Inzwischen leben wir in einer Zeit, in der diese Art des "Zusammenlebens" gerade ihre höchste Blüte erlebt. Macht Euch die Erde untertan - sagt die Bibel, und dieses Zitat wird von vielen sehr wörtlich genommen.
Die Idee, über Haustiere einen Artikel zu schreiben, entstand schon vor einigen Jahren, als wir uns aus dem Urlaub zwei Katzen mitbrachten, die zwischenzeitlich acht Jahre alt sind und uns zwischenzeitlich noch zwei „Katzenkinder" beschert haben. Allesamt mischen unser Heim so richtig auf. Im Gespräch mit Kolleginnen und Kollegen, Freunden und Verwandten stellte sich dann heraus, dass wir eine "große Familie" der Katzen- und Hundefreunde sind. Weil wir alle so viel Freude an "unseren" Tieren haben, sollte dieser Artikel ein Lesevergnügen der besonderen Art werden. Ich wollte über die koboldartigen Streiche unserer norwegischen Waldkatzen schreiben, über die Ungeschicktheit der Welpen, über den Rentner, der sich morgens mit seinem Wellensittich unterhält und in ihm einen aufmerksamen Zuhörer hat, über die aus Spanien geschmuggelte Hündin einer Freundin und vieles mehr. Wie so oft wird bei längerem Nachdenken anderes jedoch wichtiger. Und so ist dieser Artikel leider keiner der vergnüglichen Art geworden.
Wir sind hier nicht allein* In Hamburg leben mit den 1,6 Mio. Einwohnern (Randgebiete mitgerechnet) z.Z. ca. 70.000 Katzen, 38.000 vom Finanzamt registrierte Hunde (die Dunkelziffer ist weit höher) sowie eine nicht bekannte Anzahl von Kleintieren (Wellensittiche, Rennmäuse, Farbratten, Kaninchen). Daneben halten sich eine Reihe von Mitmenschen Exoten, angefangen beim Krokodil über Schlangen, Leguane und was dergleichen mehr als "repräsentativ" in Szene-Kreisen gilt.
Absichtlich ziehe ich nicht den Unterschied zwischen Nutz- und sog. Haustieren, die zu unserem "Pläsier" mit uns zusammen leben. Es gibt auch keinen Unterschied zwischen ihnen. Ob sie unseren Magen füllen oder unsere Seele wärmen - wir tragen, wenn wir sie "benutzen", die ganze Verantwortung.
In einer Zeit, in der die Nachbarschaft kaum noch etwas gilt - ich erinnere an die Schlagzeilen vor einiger Zeit wie z.B. "Toter lag fünf Jahre unentdeckt in seiner Wohnung" oder „Verwahrloste Kinder tot aufgefunden", die uns fünf Minuten des Nachdenkens abgerungen haben - versuchen die Menschen einer Großstadt wie Hamburg, ihre Gefühle und Sehnsüchte zu kompensieren, indem sie sich Haustiere anschaffen. In der Mehrzahl halten sich gerade junge Leute, die die Kälte und Lieblosigkeit ihrer Umgebung mit Drogen übertünchen, Tiere. Nicht selten sitzt neben einem Junkie dessen dürrer Mischling, genau so leer dreinblickend wie sein Herrchen. Hier hat weder der Besitzer selbst für sich noch für seinen Hund die Möglichkeit, Verantwortung zu übernehmen.
Wenn es hier noch in gewisser Weise verständlich ist, dass dieses Tier über kurz oder lang verelendet und stirbt oder in ein Tierheim abgegeben wird, ist es schier unglaublich, mit welcher Ignoranz Menschen, die es besser wissen müssten, sich Tiere zulegen, die in keiner Weise artgerecht gehalten werden können.
Möchten Sie so leben? In welchem katastrophalen "Zustand" sich das Zusammenleben zwischen Mensch und Tier befindet, mag im folgenden meinem Artikel zu entnehmen sein.
Schätzungsweise alle 50 km existiert ein Tierheim. Beispielhaft für die anderen soll hier das Tierheim Süderstraße, welches dem Tierschutzverband angehört, etwas näher dargestellt werden.
Zur Zeit* befinden sich dort als Gäste oder Langzeitbewohner
180 Hunde
250 Katzen
ca. 50 Farbratten
nicht gezählte Rennmäuse
eine Python (4 m lang)
Chinchillas
u.a. Blesshühner, Kormorane, weitere Schlangen, mal ein Graureiher etc.
Auf dem Gnadenhof kommen weitere Tiere (größere wie z.B. Ponys) dazu.
In der Süderstraße werden pro Kalendertag (also auch feiertags und am Wochenende) im Durchschnitt 30 Tiere abgegeben. Da kommt man in einem Jahr auf 11.000 (!) Tiere. Dabei handelt es sich um sog. "Fundtiere" - also Tiere, die ohne erkennbare Zugehörigkeit frei laufen und aufgegriffen werden, um "Sozialtiere" oder um sichergestellte Tiere.
Sklavenmarkt Herr Poggendorf, Leiter des Tierheimes Süderstraße, macht den Kommerz verantwortlich. Er - und mit dieser Meinung steht er nicht allein - würde den Handel mit Tieren überhaupt verbieten. Wenn Viehmärkte in früheren Zeiten noch ihre Berechtigung gehabt hätten, so sagt er, wäre es heute eine reine Quälerei, wie mit Tieren auf Märkten umgegangen wird. Als Beispiel nennt er auch den Hamburger Fischmarkt, der lebende Tiere wie auf einem Sklavenmarkt - und wie wir wissen, sind diese wegen der Würde des Menschen abgeschafft worden - anbietet. Tieren wird aber Würde aberkannt. Sie sind "Sachen" lt. Gesetz. In einem Teil des Fischmarktes werden Kleintiere in keiner Weise artgerechet (und was ist das überhaupt?) und zur Belustigung der Marktbesucher zur Schau gestellt. Sie sitzen verängstigt bis traumatisiert in viel zu kleinen Verschlägen, können den Lärm um sich herum in keiner Weise einordnen.
Ein Kapitel für sich sind die sog. Kampfhunde, wobei der Name "Kampfhund" nur dann gerechtfertigt ist, wenn ein Tier dazu abgerichtet wird. Pitbull-Terrier, Bullterrier, Pilo Braseleiro, Mastino und Stafford-Terrier werden als Kampfhund-Rassen bezeichnet, ebenso die Kreuzungen zwischen diesen Rassen.
Nun ist es aber so, dass man immer mal wieder hört, dass "Rainer aber auch so einen hat, und der ist gaaaanz lieb". Ausnahmen bestätigen die Regel. Und die besagt, dass die sog. Kampfhunde mit Vorliebe von ganz bestimmten Menschen bevorzugt werden. Und diese Menschen haben leider keine Prüfung abzulegen, wenn sie so einen Hund erwerben. Sie beziehen ihre Hunde auch eher nicht von der Süderstraße, wo noch eine Art von Haltungsprüfung erfolgt, sondern auf dem Schwarzmarkt. Wobei wir wieder beim Handel sind.
Es gibt Menschen, die kaufen sich zwei Hündinnen einer Rasse, dazu einen Rüden. Beide Hündinnen haben zwei Würfe pro Jahr. Ohne Rücksicht auf die Hündinnen, versteht sich. Die Welpen werden zum Stückpreis von 750 Euro verkauft. Das ist doch ein nettes Taschengeld, oder?
In der Süderstraße ist für viele dieser Hunde Endstation. Herrchen sitzt ein, und sein "Kampfgefährte" ebenfalls. Letzterer hat meist die schlechteren Karten. Er, der so aggressiv gemacht worden ist, findet selten oder nie ein neues Zuhause. In Großbritannien und Frankreich gibt es seit einigen Jahren eine Verordnung, die die Züchtung, den Verkauf und den Import von Kampfhunden verbietet. In Frankreich erging vor einigen Jahren eine Verordnung, nach der alle zu diesen Rassen gehörenden Hunde sterilisiert werden müssen, damit die Rassen aussterben. Ähnliches hat auch Herr Poggendorf vorgeschlagen.
So ist es doch immer: Die Geister, die wir rufen, werden wir nicht los, und müssen dann mit dem Beelzebub den Teufel austreiben.
In Hamburg gibt es seit dem 29.06.2000 eine Verordnung zum Schutz vor gefährlichen Hunden und über das Halten von Hunden (die sog. Hundeverordnung). Näheres nachzulesen unter http://www.tierklinik.de/
Bisschen denken beim Schenken Ist ein Tier klein und niedlich, wird man zum Kauf angeregt - und zum Verschenken. Später, im Alltag, wird dann erst so richtig klar, dass so ein Tier einen Haufen Verantwortung mit sich bringt. Es macht viel Arbeit und kostet nicht wenig Geld. Abgesehen von der Hundesteuer soll ein Tier schließlich nicht verhungern. Dann fallen Kosten beim Tierarzt an und in den Ferien fragt man sich, wohin mit "Peterle" oder "Herrn Keunichen". Das ist eine heikle Frage. Da hat dieser oder jener Vierbeiner mit einer Geschenkschleife geschmückt im Vorjahr unter dem Weihnachtsbaum gelegen und nun? Herr Poggendorf erzählte, dass die ersten Tiere schon am Heiligabend in der Süderstraße eintreffen. Andere haben es schlechter. Sie werden zu Beginn der Ferien ausgesetzt, ertränkt, auf Autobahnparkplätzen an Bäume gebunden, aus dem Auto geworfen. Die Liste lässt sich endlos fortsetzen.
Tierschutz geht uns alle an
Die sogenannte Tierliebe geht seltsame Wege. Während die Besitzer von Mieze, Carlo und Co. horrende Summen für ihre Lieblinge ausgeben und ihnen sogar ein friedvolles Grab in Seevetal kaufen, hindert sie nichts daran, in der Truhe des Supermarktes ein Steak von ganz unglücklichen Rindern zu kaufen, die Zeit ihres Lebens außer ihrer Mastbox nichts gesehen haben. Sie würden niemals auf die Idee kommen, ihre Haustiere der Nahrungskette zuzuführen. Wer will schon, dass der vierbeinige "Lebensgefährte" in der Großschlachterei endet. Aber am Tierschutz allgemein sollte man sich in der einen oderen Weise beteiligen. Auch diejenigen, die sich gerade aus Tierliebe kein Tier halten. Natürlich haben wir, wenn wir nicht gerade dem Verein der Veganer (das ist kein Fan-Club von Außerirdischen, sondern hier handelt es sich um Menschen, die überhaupt keine Tierprodukte zu sich nehmen) angehören, nutzen wir alle in der einen oder anderen Weise die Tiere unserer Erde. Essen Sie keine Butter? Kein Frühstücksei? Keinen Fisch? Kein Joghurt oder was dergleichen mehr vom Tier stammt? Tragen Sie keine Schuhe aus Leder, keine Wollsachen? Es kann uns darum nicht egal sein, was mit den Tieren geschieht.
Allein das Tierheim Süderstraße hat einen Jahresetat von mehreren Mio. Euro. Diese Gelder kommen in der Hauptsache durch Spenden, ab und an mal eine Erbschaft*, zusammen. Die Stadt Hamburg beteiligt sich an den Kosten mit einem verschwindend geringen Betrag, der keine halbe Mio. Euro erreicht, daran, wobei die Süderstraße die Verpflichtung hat, die weiter oben benannten Tiere (Fundtiere etc.) aufzunehmen. Dem Verein Tierheim Süderstraße gehören ca. 8000 Mitglieder an. Es arbeiten dort z.Z. 80 Menschen für die Tiere.
Drei Tierärzte sind für das Tierheim tätig. Außerdem gibt es ca. 80 ehrenamtliche Helfer (aus der Anzahl der Mitglieder des Vereins).
Herr Poggendorf teilte mit, dass der Mitgliedsbeitrag für eine Person Euro 35,00/Jahr beträgt. Das Spendenkonto erfahren Sie unter
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Neben den menschlichen Gräueltaten der weltweit z.Z. tobenden Kriege, neben den Vergehen an Kindern, neben den Drogentoten und anderen Schrecklichkeiten nehmen sich Meldungen in der Tagespresse von misshandelten Tieren vergleichsweise harmlos aus. Lassen wir uns nicht täuschen. Der unverantwortliche Umgang mit Tieren ist symptomatisch für den Umgang mit dem Leben an sich.
Rot ist das Blut des Adlers
Rot ist das Blut des Büffels
Rot ist das Blut des Bären
Rot ist das Blut des braunen Mannes
Rot ist das Blut des weißen Mannes
Rot ist das Blut des schwarzen Mannes
Wir sind alle Brüder
Der Medizinmann von Alcatraz, 1970
Um zu gewährleisten, dass verlorengegangene Tiere "ihre" Menschen wiederfinden, gibt es die Möglichkeit der Registrierung durch den Tierarzt. Dabei werden dem Hund/der Katze winzige Transponder unter die Haut gesetzt, nicht schlimmer als eine Impfung. Die auf den Transpondern eingetragene Nummer kann mit einem Lesegerät von Tierheimen, Polizeiwachen und Tierärzten gelesen werden. Das System gilt europaweit und wird von TASSO e.V., Frankfurter Str. 20, 66795 Hattersheim, http://www.tiernotruf.org/ vertrieben (über den Tierarzt).
*Angaben von Zahlen aus dem Jahr 1998 *wie wir nun wissen, ist das mit den "Erbschaften" so eine Sache und die Hintergründe werden gerade durch einen Ausschuss geklärt. Näheres dazu kannman täglich der Presse entnehmen, wie z.B. hier: