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Mittwoch, 15. November 2006

Kinder-Winter

Rote Nasen, rote Wangen,
schneemann2
in Augen sichtbares Verlangen,
Glitzersterne auf dem Schnee,
Frostgefühl im großen Zeh;
blaugefrorene Fingerspitzen,
Haare unter Mützen schwitzen;
Schlittschuhlaufen, Eiseinbrüche,
nasse Hosen, Mutterflüche;
mit Schlitten auf die Hügelkette
und dann hinunter um die Wette.
Spät nach Haus bei Dunkelheit:
So war Kinder-Winterzeit

 

 

 

 

 

schneemann1Asphaltiert für schnelle Wagen,
Streusalz in den Parkanlagen;
Grauer Schnee fällt auf die Stadt,
die kaum noch Platz zum Rodeln hat.
Anstatt Schneeballschlacht für viele
kauft man jetzt Computer-Spiele,
fährt Ski und Schlitten in Zermatt,
hat Weihnachtskerzen mit viel Watt,
und Liebe in dem Elternhaus
drückt sich in großen Scheinen aus.
Von Kommerz und Drogen breit:
So ist Kinder-Winterzeit.

©Margret Silvester,
geschrieben 11/1996,
veröffentlicht in einem Wettbewerb
der Hamburger Morgenpost
ebenfalls 11/1996

 
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User Comments

Liebe Margret,

ich nochmal. Einen Zusatz braucht mein obiger Kommentar noch. Der Kinderwinter, die Entwicklung eines Menschen, das Comeback der Natur als Notwendigkeit fürs gesunde Sein. Dereinst war der Winterwald etwas, womit Mensch und Tier eben lebten. Jedes Wesen war froh, wenn es genug zu essen hatte und gut über den Winter kam. Kleine Tiere und kleine Menschen spielten mit dem weißen Zeugs, genannt 'Schnee', so es denn vorhanden war, weil es eben so toll weich ist und so spannend glitzert und weil es, wenn man mit der Pfote ... äh ... Hand rein stippt, so klasse seine Konsistenz verändert. Irgendwann, in einer späteren Zeit, wurde es dann für kleine Menschen weniger mit diesem Spiel, weil der Mensch sich andere Prioritäten setzte und immer mehr das Negative an Dingen, wie Schnee und Winterwald sah. Auch das allerdings ändert sich wieder, weil ja nichts so bleibt, wie es ist und weil man jetzt, in einer noch späteren Zeit, herausfindet, dass auch Menschenkinder sich nun mal nicht nur mit Hilfe ihres Kopfes entwickeln können, sondern dazu ihren ganzen Körper brauchen. Nichts eignet sich dafür besser, als Erfahrungen in und mit der Natur. Heute nennt man den Wald 'Bewegungsraum' und freut sich, wenn Kinder dort ausgiebige 'Synapsenpflege' betreiben können. Na denn ...

Hier hat es übrigens geschneit. Die Meisjes stecken in ihren Schneeanzügen und haben rote Frostnasen in ihren süßen Gesichtern.

Viele Grüße von der Mascha

Veröffentlicht von Natascha Komander, An 12/14/2009 bei 13:24

Kommentar: Liebe Margret, ja, so ist es wohl leider oft. Die Gegenströmung allerdings wird immer stärker. Schlau werden kann nämlich nur, wer sich bewegt und wer als Kind all die ganzkörperlichen Sinneserfahrungen machen kann, die z.B. durch einen Kinderwinter mit frostigen Nasen, Matschen und Toben und all dem, was Du im ersten Teil Deines Gedichtes beschreibst, bereit gestellt werden. Ohne vorherige Entwicklung der Fähigkeit zum Rückwärtslaufen kann die Fertigkeit Subtrahieren nicht recht entwickelt werden, der Mensch braucht für seine Entwicklung nun mal alle Sinne - und das ist eine Erkenntnis, die sich mittlerweile immer mehr durchsetzt. Also, auf einen tollen Kinderwinter mit allem drum und dran. Liebe Grüße von der Mascha und den magischen Wintermeisjes

Veröffentlicht von Natascha Komander, Seine Homepage here An 12/14/2009 bei 10:28

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