|
Meine Sonette an sich......
Den Kopf hab ich gesättigt voll mit Reimen,
allen voran bevorzugt das Sonett,
es wächst in mir am Tage und im Bett
und will sogar im Traum noch keimen.
Die Themen, die mich dazu treiben,
sind unendlich in Anzahl und Gestalt.
Die Liebe heiß, im Tode eher kalt -
so sollen sie im Gedächtnis bleiben.
Da hör ich andere von Versmaß sprechen;
natürlich, Regeln sind der Lyrik Zier,
drum wollen wir sie auch nicht zerbrechen.
Doch alle Jamben und Terzetten -
sie taugen nichts, so scheint es mir,
liegt der Inhalt schwer an Ketten.
Sonette sind seit dem 13. Jahrhundert bekannt; die ersten schreibt man Francesco Petrarca zu; ihm folgten Legionen - wenn ich diese Bezeichnung mal ganz ketzerisch für Dichter benutzen darf. Die Sonettform ist von klassisch bis freischaffend genutzt worden und Länder unterscheidend. So sind die Sonette von Shakespeare im Aufbau und Versform anders als die von Michelangelo; Rainer Maria Rilke hat entgegen den Vorgaben seiner Zeit Wert auf ein anderes Stilmaß gelegt und auch Oscar Wilde hatte da seinen ganz eigenen Kopf. Der immer gern zitierte Günter Grass hat in seinen Sonetten die Zelen wild durcheinander geschüttelt. Allen gemeinsam war aber sicher das Bedürfnis, ein Anliegen, eine kleine Geschichte, eine Trauer, eine Liebe in dieser besonderen Form des streng gegliederten Textes darzustellen. Streng schon allein durch eine vorgegebene Zeilenzahl, nämlich 14.
Als ich begann, das Sonett für mich zu entdecken, habe ich für mich entschieden, es Rilke - den ich besonders schätze - und Oscar Wilde - der mit Abstand mein Lieblingsdichter und -denker ist - nachzutun und meinen eigenen Kopf für diese Form der Lyrik zu nutzen.
Im Übrigen nutze ich jede Form des Sonetts; gleichwohl bevorzuge ich den deutschen Reimsatz, wie er zu Beginn z.B. bei August Wilhelm von Schlegel (1767-1845) zu finden ist - abba cddc und die Terzetten in verschiedenen Varianten. Aber auch das ganzklassische Versmaß (abba, abba mit den nachfolgend varierenden Terzetten) gibt meinen Sonetten Stil und Gestalt. Was wäre die Literatur, würden wir sie in starre Korsette verpacken. Die Reimform des Sonettes gibt jedoch bestimmte Regeln vor, denen ich mich gern unterwerfe.
Sicher lässt sich für eine Forschung, ein Studium oder einen Vortrag mit Jamben, Terzinen und anderem jonglieren, doch möchte ich Gedanken, Gefühle und tiefere Einsicht zu Papier bringen, so kommt es mir noch mehr auf den Inhalt an.
Leser mögen es daher entscheiden, ob sie meine Sonette des Inhalts und der besonderen Form wegen lesen und mögen oder nicht.
©Margret Silvester, im November 2006
|