Mobile - die Dritte Heute war ich in der unglücklichen Lage, längere Zeit in einer Arztpraxis zubringen zu müssen. Das ist meist ziemlich unerfreulich...
Die Nachrichten sind voll davon. Vollmundige Politiker-Reden walzen das Thema in den Wahlkampf hinein; schreckhafte Kleinmütige schließen sich ein und schreien nach Waffenfreiheit. Patentrezepte gibt es sicher nicht, doch ein wenig mehr Nachdenken ist angebracht.
Die Macht, die aus der Ohnmacht erwächst und die Angst erzeugt, ist die Schlimmste aller Verführungen. Angst ist eine Triebfeder zur Gewalt und Widergewalt.
Ganz aktuell auch auf diesen Seiten,die eigentlich der Lyrik dienen sollen. Manchmal kann auch ich nicht anders. Meine Gedanken habe ich dazu unter der Rubrik "Referate" dargelegt.
Alle reden von der Gewalt, mit der einige Kinder und Jugendliche ihren Alltag bestreiten. Da will ich nicht nachstehen und meine Gedanken in die Welt schicken (na ja, zumindest an die Besucherinnen und Besucher der edition hollerbusch).
Ich werde hier nicht mit negativen Statistiken und deren positiven Zahlen aufwarten, das geschieht an anderer Stelle schon zur Genüge und es gibt Leute, die geilen sich geradezu daran auf, wenn sie immer noch wieder neue Zahlenwerke der Öffentlichkeit preisgeben, wobei niemand genau prüfen kann, ob und welche Zahlen denn nun die „echten“ sind. Ich werde jetzt auch nicht davon anfangen „als wir noch einen Kaiser hatten“. Die Zeiten hatten ebenfalls ihre schlechten Seiten und mit Ladestöcken im Rücken und der Siebenschwänzigen Peitsche an der Wand konnte sich kein freier Geist entwickeln. Das – hoffe ich – haben wir doch überwunden.
Was hat sich aber geändert? Erstens einmal sind wir viele mehr geworden auf dieser Welt. Die Bevölkerungszahl verdichtet sich so allmählich auf der Erde und besonders dicht ist sie in den großen Städten. Da kommt zusammen, was sehr unterschiedlich ist. Charakterlich - meine ich, national - meine ich, persönlichkeitsgeprägt - meine ich. Die Liste ist endlos.
Gleich sind wir dem Grunde nach nur, weil wir einer Spezies angehören. Wir werden geboren, weil es Eltern gibt – ja, Eltern. Eine Mutter und einen Vater. Denn über den Zeugungsakt sind wir uns wohl alle einig. Noch. Es wird vielleicht eines Tages anders sein und Aldous Huxleys "Schöne neue Welt" wird dann leider Recht behalten haben. Aber zu dieser Zeit ist die Elternschaft eher noch die Regel. Auch, wenn nicht alle Eltern gemeinsam die Kinder aufziehen und manchmal fehlt es überhaupt an der nachgeburtlichen Betreuung auch nur eines Elternteils. Dies vorweg geschickt, wird irgendwie deutlich, dass uns so vieles nicht trennt, wenn man den Homo sapiens sapiens (d.h. „der weise kluge Mensch – hört, hört!) betrachtet.
Lassen Sie mich mein kleines Referat mit einer Anekdote beginnen.
Eine Arbeitslose bewirbt sich als Reinigungskraft bei IBM Der Personalleiter lässt sie einen Test machen (den Boden reinigen),
darauf folgt ein Interview und schließlich teilt er ihr mit:
"Sie sind bei IBM eingestellt. Geben Sie mir Ihre E-Mail-Adresse, dann schicke ich Ihnen die nötigen Unterlagen". Die Frau antwortet ihm, dass sie weder einen Computer besitzt noch eine E-Mail hat. Der Personalmensch antwortet ihr, dass sie ohne E-Mail-Adresse virtuell nicht existiert und daher nicht angestellt werden kann.
Die Frau verlässt verzweifelt das Gebäude und erhält 10$ für die Reisekosten. Viel mehr hat sie auch nicht in der Tasche. Sie muss noch einkaufen und beschließt, in den nächsten Supermarkt zu gehen. Dort entdeckt sie, dass dort die Tomaten nur 1 $ das kg kosten, viel weniger als bei ihr zu Hause. In einer Blitzidee kauft sie 10 kg Tomaten. Dann geht sie bei sich zu Hause von Tür zu Tür und verkauft sie wieder. Innerhalb von 2 Stunden verdoppelt sie so ihr Kapital. Sie wiederholt die Aktion dreimal und hat am Ende 160 $.
Sie realisiert, dass sie auf diese Art und Weise ihre Existenz bestreiten kann, also startet sie jeden Morgen und kehrt abends spät zurück. Jeden Tag verdoppelt oder verdreifacht sie ihr Kapital. In kurzer Zeit kauft sie sich einen kleinen Wagen, dann einen Lastwagen und bald verfügt sie über einen kleinen Fuhrpark für ihre Lieferungen. Innerhalb von 5 Jahren besitzt sie eine der größten Lebensmittelketten der USA. Sie beschließt an ihre Zukunft zu denken und einen Finanzplan für sich und ihre Familie erstellen lassen. Sie setzt sich mit einem Berater in Verbindung und er erarbeitet einen Vorsorgeplan.
Am Ende des Gesprächs fragt der Vertreter sie nach ihrer E-Mail-Adresse, um ihr die entsprechenden Unterlagen schicken zu können. Sie antwortet ihm, dass sie nach wie vor keinen Computer und somit auch keine E-Mail-Adresse besitzt. Der Versicherungsvertreter schmunzelt und bemerkt: "Kurios - Sie haben ein Imperium aufgebaut und besitzen nicht mal eine E-Mail-Adresse. Stellen Sie sich mal vor, was Sie mit einem Computer alles erreicht hätten!" Die Frau überlegt und sagt: "Ich wäre Putzfrau bei IBM".
Wenn Weiber Reime schreiben,
ist doppelt ihre Zier, denn ihres Mundes Rose bringt nichts als Rosen für. Zitat von Friedrich von Logau (1604-1655)
Dies schreibt ein Dichter und Denker schon im 17. Jh., und Frau wundert und fragt sich, was er denn in gedruckter Form überhaupt von Frauen zu lesen bekommen hat, denn Dichterinnen waren damals rar, zumindest als weiblich nicht erkennbar. Unter denen, die sich dem Schreiben verschrieben hatten, gab es etliche, die niemals Texte mit ihrem eigenen Namen veröffentlichen konnten. Eben weil sie Frauen waren. In dem Taschenbuch "Das deutsche Gedicht vom Mittelalter bis zum 20. Jahrhundert" (erschienen in der Fischer-Bücherei) bringt der Auswähler Edgar Hederer den Lesern 100 Dichter nahe. Von diesen einhundert Dichtern sind ganze Fünf weiblichen Geschlechts.
Die literaterische Geschichte weist in der näheren Recherche allerdings ganz anderes aus. Auch Frauen haben schon immer geschrieben, nur hatten sie das ausgesprochene Pech, mit dem für die Gesellschaft falschen Geschlecht geboren worden zu sein. Aus diesem Grund wurden ihre Werke nur selten von ganz mutigen "Verlegern" oder aber gar nicht veröffentlicht.
Das brachte einige unserer Ahninnen dazu, einen Rollentausch vorzunehmen. Sie schlüpften namentlich und im Aussehen in die Haut der männlichen Geschlechts-genossen.
Belegt sind diese Autorinnen etwa ab dem 16. Jh., vermutlich aber schon früher.
Wer weiß denn schon, dass auch Cornelia Goethe, die Schwester unseres honorigen Johann Wolfgang von... geschrieben hat? Ihr Leben war kurz und tragisch. Beide Geschwister erhielten die gleiche Bildung als Kinder von Hauslehrern. Aber nur Johann Wolfgang durfte auf die weiterführende Universität, als er das Alter erreichte. Cornelia indessen wurde zu einer ungeliebten Ehe gezwungen, die sie mit 26 Jahren bei der Geburt des 2. Kindes durch Tod beendete. Lange Jahre tiefer Depression waren dem vorausgegangen.
Von ihren schriftlichen Arbeiten liegt nur noch das Tagebuch vor.
Alles weitere wurde von ihrem Bruder, mit dem sie einen regen Briefwechsel geführt hatte, verbrannt, weil er es zwar "für ein Mädchen ihres Alters recht gut" fand, jedoch für eine Schwester von Goethe unbefriedigend. Und weil er "die ästhetischen grünen Flammen im Kaminfeuer" so gerne ansah. Cornelia war ihrem Bruder innig zugetan, heißt es. Und Johann Wolfgang gab nichts an die Öffentlichkeit, das nicht vorher von Cornelia gelesen war. Es ist zu vermuten, dass Goethe nicht ein Ausrufezeichen gesetzt hat, ohne bei Cornelia darum nachzufragen. Es muß für ihn eine Katastrophe gewesen sein, als Cornelia ihn so früh verließ.
(Quelle: Sigrid Damm: Cornelia Goethe - eine Biographie des insel-Verlages; Tagebuch der Cornelia Goethe, erschienen im KORE-Verlag; Johann Lenz - ein Freund von J.W. von Goethe - Biographie Sigrid Damm, insel-Verlag).